Pogatetz im Exklusivinterview: „Ich hatte Verständnis für die 96-Fans“


Hannover – Emanuel Pogatetz gehört zu der legendären 96-Mannschaft, die am Ende der Saison 2010/11 sensationell als Vierte die Saison beendet. In der Folgesaison reist der beinharte Innenverteidiger mit Hannover bis ins Viertelfinale durch die Europa League. Am Ende der Spielzeit steht für den Stammspieler der Abschied aus Hannover an. Für beide Seiten geht es danach abwärts. Der 33-Jährige wechselt über Wolfsburg, West Ham United und den 1. FC Nürnberg zu Columbus Crew in die MLS. Doch der Ehrgeiz packt ihn erneut und er schließt sich im Januar 2016 dem 1. FC Union Berlin an. Vor dem Wiedersehen mit Hannover 96, äußert sich der ehemalige hannoversche Publikumsliebling exklusiv gegenüber TheWalkingRed.

Gab immer 100% und war bis zu seinem Wechsel ein Publikumsliebling: Emanuel Pogatetz. Foto: Olli Hardt/AFP/Getty Images.

Gab immer 100% und war bis zu seinem Wechsel ein Publikumsliebling: Emanuel Pogatetz. Foto: Olli Hardt/AFP/Getty Images.

Herr Pogatetz, vielen Dank für Ihre Zeit. im Winter sind Sie aus der MLS wieder zurück in die 2. Bundesliga gewechselt. Waren Sie noch nicht reif für das Ende der Karriere?

Nein, das war ich nicht und habe eine neue Herausforderung gesucht.

Im ersten halben Jahr bei Union Berlin haben Sie unter zwei Trainern Ihre Einsätze bekommen. Im Sommer hat sich Ihre Situation geändert. Wie gehen Sie damit um?

Ich gehe mit der Situation professionell um und versuche mich trotzdem in jedem Training anzubieten. Wichtig ist, dass ich mir persönlich nichts vorzuwerfen habe. Ich zeige immer vollen Einsatz und an jedem Spieltag liegt die Entscheidung beim Trainer, ob er mich in den Kader nimmt, mich sogar aufstellt, oder eben nicht.

Sie haben in Ihrer bisherigen Karriere bei 13 verschiedenen Vereinen gespielt. Warum sind Sie nie sesshaft geworden?

Ja, das ist eine gute Frage. Beim FC Middelsbrough habe ich mal fünf Jahre verbracht. Das ist im Fußball ja schon relativ lange. Danach gab es immer wieder Gründe für einen Vereinswechsel. Manchmal waren sie sportlicher Natur, wie in Middelsbrough nach dem Abstieg. Es lässt sich aber eben nicht auf diesen einen Grund runterbrechen. Ich bin jetzt auch schon lange Profi, da kommen ja automatisch relativ viele Vereine zusammen.

Was war Ihr bisher schönster Moment als Fußballprofi?

Dazu gehören natürlich Siege mit Middelsbrough gegen große Teams wie Chelsea – da habe ich sogar mal ein Tor erzielt, Manchester United, oder auch mit 96 gegen den FC Bayern. Aber natürlich war es auch unbeschreiblich schön, mit Österreich an der Euro 2008 unter anderem auch im eigenen Land teilzunehmen. Da gab es schon einige.

Union ist in Schlagdistanz zur Spitze. Was ist aus Ihrer Sicht drin in dieser Saison?

Wir wollen vorne mitspielen. Ich denke, wir sind voll dabei. Unser Ziel ist das bis zur Winterpause auch weiter zu bleiben. Das ist auch realistisch. Und wenn wir das Ziel nach der Hinrunde erreichen können, dann ist in der Rückrunde alles möglich. Union hat immer wieder sehr gute Rückrunden gespielt. Jetzt sind wir endlich auch mal besser gestartet. Die Teams sind dieses Jahr auch in der Spitze der 2. Bundesliga sehr dicht zusammen. Das war in der vergangenen Spielzeit anders, als sich mit Freiburg und Leipzig zwei Teams absetzen konnten. Deswegen ist auch für uns dieses Jahr alles drin.

Am Sonntag ist mit Hannover 96 einer Ihrer Exvereine zu Gast an der „Alten Försterei“. Ist das eine besondere Motivation für Sie in den Kader zu kommen?

Ja, klar. Es ist immer etwas besonderes, wenn man gegen Vereine spielt für die man selbst mal gespielt hat. Von daher würde ich mich schon freuen, wenn ich in den Kader, oder vielleicht sogar zum Einsatz kommen könnte.

Sie haben mit 96 im Europapokal gespielt. Hat Sie der Absturz der Niedersachsen überrascht?

Ja, es hat mich sicher überrascht, dass sie jetzt in der zweiten Liga gelandet sind. Ich denke aber, dass es schon schwierig ist sich in der Bundesliga permanent auf den internationalen Plätzen festzusetzen. Auch gemessen an den Möglichkeiten die 96 hat, haben wir uns damals vielleicht etwas über unseren Möglichkeit platziert. Von daher war es eigentlich klar, nicht permanent unter den Top Vier bis Sechs bleiben zu können. Aber, wie gesagt, der Gang in die zweite Liga hat mich dann schon überrascht. Ich finde es auch schade weil ich denke, dass die Region schon einen Bundesligisten verdient hätte.

In Hannover standen Sie auch mal im Fanblock, wenn Sie nicht gespielt haben. Wie sehr hat Sie das Verhalten der 96-Fans nach Ihrem Wechsel zum VfL Wolfsburg enttäuscht?

Gar nicht. Es ist doch normal, dass Fans enttäuscht sind wenn Spieler den Verein verlassen. Vor allem da wir auch eine sehr erfolgreiche Mannschaft hatten und ich auch regelmäßig gespielt habe. Für mich ist da verständlich, dass die 96-Fans enttäuscht und auch sauer waren. Aber, ich hatte ja nicht allein entschieden, den Verein zu verlassen. Sondern der damalige Trainer (Mirko Slomka, Anm. d. Red.) hat nicht mehr mit mir geplant. Das hat natürlich eine Rolle gespielt, warum ich den Verein verlassen habe.

Ihr Vertrag läuft im Juni 2017 aus. Planen Sie dann auch Ihr Karierende, oder suchen Sie noch eine neue Herausforderung?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Da muss ich sehen, wie diese Saison noch verläuft. Ich werde am Saisonende dahingehend eine Entscheidung treffen.

Was haben Sie für die Zeit nach Ihrer Karriere geplant?

Derzeit konzentriere ich mich noch auf meine aktive Karriere (lacht). Deshalb habe ich auch nichts Konkretes geplant. Ich möchte auf jeden Fall im Fußball bleiben. In welcher Funktion habe ich mich noch nicht festgelegt.

Vielen Dank für das angenehme Gespräch.

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