„Martin Bader ging nach dem Abstieg zu hohes Risiko“ – Das Faninterview vor dem 96-Gastspiel beim „Club“


Hannover – Am Sonntag tritt Hannover 96 beim 1. FC Nürnberg an. Für Martin Bader und Samuel Sahin-Radlinger ist es auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. Besonders für Geschäftsführer Bader dürfte das Spiel eine ganz besondere Angelegenheit sein. Club- Fan Steffen bringt uns sein Team etwas näher und verrät uns, ob man in Nürnberg Martin Bader eine Träne nachweint. 

Martin Bader stellt sich nach einer Niederlage im Jahr des Bundesligaabstiegs mit der Mannschaft des 1. FC Nürnberg den enttäuschten Fans. Foto: Micha Will/Bongarts/Getty Images.

Martin Bader stellt sich nach einer Niederlage im Jahr des Bundesligaabstiegs mit der Mannschaft des 1. FC Nürnberg den enttäuschten Fans. Foto: Micha Will/Bongarts/Getty Images.


Steffen, ich danke Dir für Deine Zeit. Wie ärgerlich war in Hinblick auf den schwachen Saisonstart eigentlich das Scheitern in der Relegation im Sommer?

Aus Fansicht war es wirklich extrem ärgerlich. Man hat sich aus einer schwierigen Situation in der Hinrunde herausgekämpft und eine überragende Serie von 18 ungeschlagenen Spielen am Stück hingelegt. Man hatte auch Chancen auf Platz zwei, die man leider dann, wenn es darauf ankam, nicht wahrnehmen konnte. Sportlich war es allerdings eine hochverdiente Niederlage. Eintracht Frankfurt war besser.

Was ist denn im Sommer in Nürnberg passiert? Warum dauerte es bis zum siebten Spieltag, bis Ihr zum ersten Mal gewonnen habt?

Es gab einen sehr kurzfristigen Trainerwechsel. Außerdem haben Stammspieler wie Niclas Füllkrug das Team verlassen. Man könnte sagen, es sind viele Tore weggegangen und ein ganzes Stück Zusammenhalt weggebrochen. Und nach der verlorenen Relegation liefen einige Spieler den berühmten Schritt weniger.

Martin Bader ist im Oktober 2015 vom 1. FC Nürnberg zu Hannover 96 gewechselt und wurde hier Geschäftsführer Sport. Wie beschreibst Du seine Arbeit beim Club rückblickend?

Engagiert, aber mit zu viel Risiko.

Warum zu viel Risiko?

Für Martin Bader gab es nach dem Abstieg nur die eine Möglichkeit: Der 1. FC Nürnberg steigt direkt wieder auf. Zu hoch dotierte Verträge wurden zu langfristig geschlossen. Die Spätfolgen davon merkt der Club immer noch. Die erstligareifen Verträge konnten von einem Zweitligisten mit deutlichen finanziellen Einbußen auf Dauer nicht problemlos gestemmt werden. Insgesamt hat der ganze Spaß 25 Millionen Euro gekostet.

Klingt nicht nach offenen Armen. Worauf muss sich Martin Bader am Sonntag einstellen?

Der Vorteil von Bader war der stets lockere Umgang mit den Nürnberger Ultras. Dadurch hat er aus der Kurve wohl nichts befürchten. Dennoch wird es sicher das bestimmende Thema vor dem Spiel sein und alte Geschichten in der Presse aufgewärmt werden. Aber offene Arme würde ich ausschließen.

Klingt so, als sei der Abgang von Martin Bader gut für den 1. FC Nürnberg gewesen.

Es läuft seither finanziell besser. Es war sogar essentiell für die Zukunft des Vereins. Der Club hat die Lizenz für die 2. Bundesliga zum wiederholten Male nur mit Auflagen bekommen. Aber menschlich hatte ich kein Problem mit ihm.

Wie sehr hat Nürnberg der Wechsel von Niclas Füllkrug in seine Heimatstadt geschmerzt?

Der hat sehr geschmerzt. Das Spiel der Mannschaft war perfekt auf ihn abgestimmt: Langer Ball, Ablegen, Nachrücken, effizienter Abschluss. Es gab keinen zweiten Stürmer, der ansatzweise diesen Spielstil betrieb. Guido Burgstaller beispielsweise wich immer wieder auf den Flügel aus. So fehlte der in der Mitte immer anspielbereite Niclas Füllkrug. Erst durch die Leihe von Tim Matavz vom FC Augsburg, kam man so langsam wieder in die Spur. Da war dann wieder einer vorne drin anspielbereit. Der Abgang Füllkrugs war mit entscheidend für den schlechten Saisonstart.

In den letzten drei Spielen gab es drei Siege für den Club. Kommt 96 genau zum richtigen Zeitpunkt?

Hannover gehört von der spielerischen Qualität nicht in die Zweite Liga. Der Kader spielt eigentlich in einer anderen Liga. Aber, und die Erfahrung hat 96 gerade zuletzt in Berlin gemacht, es kommt nicht nur darauf an. Sondern man muss auch den Kampf annehmen und die nötige Aggressivität im Zweikampf an den Tag legen. Genau da liegt die Chance für Nürnberg. Gerade die Laufstärke hat sie auch in den letzten Spielen ausgezeichnet. Wird die an den Tag gelegt, kann man Hannover schlagen.

Wie lässt Alois Schwartz denn überhaupt spielen?

Man sieht nur selten einen geregelten Spielaufbau. Es wird viel mit langen Bällen gearbeitet. Die Standards haben sich auch gebessert. Er lässt den Gegner eher kommen und wartet ab.

Ist denn die Defensive stark genug um die damit einkalkulierten gegnerischen Angriffe auch abwehren zu können?

Nicht uneingeschränkt. An einem guten Tag gelingt das sicher. Aber in dieser Saison gab es schon gegen viel schwächere Gegner große Probleme. Hoffnung macht, dass sich in den letzten vier Spielen die Mannschaft gefunden zu haben scheint und der Trainer auch seine taktische Grundordnung gefunden hat. So waren Steigerungen möglich.

Klingt nach einem unaufhaltsamen Aufstieg. Bis wohin? Wofür reicht der Kader?

Für das obere Drittel. Das muss auch der Anspruch sein.

Also geht es wieder in Richtung Aufstiegsränge?

Nein, dafür war unser Start leider einfach zu schlecht.

Welche Teams dann hoch und sind Deine Favoriten?

In der zweiten Liga kann an guten Tagen jeder jeden schlagen. Man nehme nur das 5:0 von Dynamo Dresden gegen Stuttgart. Oder Heidenheim als Zweiter. Die Aufsteiger werden am Ende unter den Teams aus Braunschweig, Stuttgart, Hannover und Union Berlin ausgemacht. In der Reihenfolge.

Und Sonntag? Wer macht da das Rennen?

Emotional hoffe ich auf ein 2:1 für den Club. Sportlich rechne ich aber mit einem Sieg für Hannover.

Gib uns ein Like und Folge uns
19

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ein Gedanke zu “„Martin Bader ging nach dem Abstieg zu hohes Risiko“ – Das Faninterview vor dem 96-Gastspiel beim „Club“