„Man merkt den 96-Spielern den Druck deutlich an“ – Jens Umbreit vor dem Gastspiel bei Dynamo Dresden


Hannover – Am Sonntag tritt der Tabellenzweite aus Hannover beim Überraschungsteam aus Dresden an. Was gibt es vor dem Spiel über den Gegner zu erfahren? Und was ist eine Eierschecke? Das verrät uns Jens Umbreit, Dynamo-Stimme von Radio Dresden.

Im Hinspiel in Hannover gab es nur für die Dynamo-Fans Grund zum Feiern. Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images.



Wer ist dieser Jens Umbreit?

Jens Umbreit wurde 1975 geboren und erinnert sich noch genau an seinen ersten Besuch bei seinem Herzensverein Dynamo Dresden. Sein erstes Spiel war das 2:1 von Dresden über den FC Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitzer FC, am 19 August 1983. Gern erinnert sich Umbreit auch an den Einzug in das UEFA Cup-Halbfinale im Jahr 1989. „Das 4:0 gegen Victoria Bukarest im Viertelfinal-Rückspiel war eins meiner Highlights. Ich war Fan durch und durch. Dank der Gnade der frühen Geburt, habe ich noch Europapokalspiele sehen dürfen.“

Foto: Ruben Gläser

Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner gehörte sowohl 1983 (als Spieler) als auch 1989 (als Co-Trainer) zum Team und ist auch heute noch ein Idol für den sympathischen Radiomoderator: „Ich habe ihn als Libero spielen sehen. Er ist eine absolute Legende und kommt in der gesamtdeutschen Fußballgeschichte viel zu kurz weg.“ Seit 1993 arbeitet der 41-Jährige beim Radio. Seit 2004 ist er die Dynamo-Stimme bei Radio Dresden. „Ein Heimspiel in meiner Heimatstadt kommentieren zu dürfen, ist immer noch das Größte“, verrät der Sportchef von Radio Dresden. Umbreit weiter: „Ich verschließe nicht die Augen, wenn etwas schlecht läuft. Kann aber natürlich emotional berichten, wenn es gut läuft.“ Neben seiner Tätigkeit im Radio, ist der sympathische Moderator auch Gastgeber bei 19:53 – Der Dresdner Fußball-Talk. Seit 2015 wird dort über das runde Leder im Allgemeinen und Dynamo Dresden im Speziellen geredet.


Was ist in Dresden los?

Ihr reist bereits am Samstag in die Sachsenmetropole? Dann habt Ihr in den Augen das Dresdner Moderators alles richtig gemacht: Dresden sei auch abseits der Tourihotspots immer eine Reise wert. Wir konnten Umbrei ein paar ultimative Tipps aus den Rippen leiern:

Das Linden Dresdens:

„Wenn man Samstagabends ankommt, empfehle ich einen Abstecher in die Neustadt. Das ist das absolute Szeneviertel. Hier gibt es Kneipen aller Couleur und die Bürgersteige werden nicht um 22:00 Uhr hochgeklappt“, verspricht der 41-Jährige. Klingt ein wenig nach dem Linden Hannovers. „Man wird satt, es gibt gute Musik. Hier kann man auf jeden fall richtig Spaß haben,“ so der Radioreporter weiter.

Dresdner Standseilbahn:

Natürlich sind die üblichen Verdächtigen wie Frauenkirche, Semperoper und Zwinger immer einen Besuch wert. Doch verrät uns der gebürtige Dresdner einen kleinen Geheimtipp. „Es gibt in Dresden zwei Bergbahnen. Die Standseilbahn und die Schwebebahn.“ Die Schwebebahn wird derzeit repariert. Aber die Standseilbahn ist schon allein sehenswert. Die Fahrtstrecke von 547 Metern führt vorbei am Villenviertel durch malerische Natur. Umbreit: „Am Sonntag kann man vor dem Spiel am Körnerplatz schön frühstücken, mit der Standseilbahn die 95 Meter hoch fahren, kurz durchatmen und einen wunderbaren Blick über die Stadt genießen.“

Eierschecke und Sauerbraten:

Nicht nur im Rheinland isst man gerne Sauerbraten. „Der Sauerbraten mit Klößen ist auch bei uns in Dresden sehr beliebt und ein Stück Eierschecke gehört zu Dresden wie der Zwinger oder eben Dynamo.“ Doch was ist eine Eierschecke? Es handelt sich hierbei um einen Schichtkuchen, bestehend aus Hefeteig, einer Quarkschicht und einer oben liegenden luftigen Eierschicht.


Über das Spiel wollten wir mit dem Radiomoderator natürlich auch noch sprechen. Wird es wieder ein Dynamo-Fest? Ausgeschlossen sei das laut Umbreit jedenfalls nicht.

 

Jens, zuletzt wurde beim FC St. Pauli mit 0:2 verloren. Worin lagen die Gründe?

 

Die ganze Mannschaft hat da einen gebrauchten Tag erwischt. Sie kam mit den Platzverhältnissen nicht zurecht und hat dann auch den Kampf der Hamburger nicht richtig angenommen. Es gab keinen Plan B oder C.

 

Sonst seid ihr ja so etwas wie das Überraschungsteam der Liga. Als Aufsteiger habt ihr Tuchfühlung zu den Aufstiegsrängen. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

 

Die Mannschaft spielt nicht wie ein klassischer Aufsteiger. Viele Situationen werden spielerisch gelöst. Das fängt am eigenen Strafraum dank eines mitspielenden Torwarts an. Da beginnt bereits der kontrollierte Spielaufbau. Hohe und weite Bälle finden kaum statt.

 

Hegt man in Dresden eigene Aufstiegspläne?

 

Dynamo schaut nur auf sich selbst. Einige Fans träumen natürlich vom Aufstieg. Aber die Mannschaft muss nicht aufsteigen. Man spielt derzeit die beste Zweitligasaison aller Zeiten und gehört zu den positiven Überraschungen der bisherigen Saison. 

 

Hand auf Herz: Hast Du mit dem Saisonverlauf gerechnet?

 

Nein. Ich hatte eher einen Platz im unteren Mittelfeld erwartet. Mir war aber klar, dass man eine gute Mannschaft hat. Aktuell übertrifft das Team alle Erwartungen. Und wenn oben eines der großen Teams schwächelt, Dynamo so auf einen Aufstiegsplatz rutscht, stellt man sicherlich nicht den Spielbetrieb ein.

 

Erwartest Du denn das Schwächeln eines Favoriten?

 

Vom Kader her müssen den Aufstieg Stuttgart, Hannover, Braunschweig und Union Berlin unter sich ausmachen. Stuttgart halte ich für gefestigt genug. Die werden das packen. Und aktuell tut sich Braunschweig sicherlich schwer. Das wird die 96-Fans sicherlich freuen.

 

Und 96 selbst? Wie siehst Du da die Lage?

 

Hannover muss aufsteigen. Der Druck ist sichtbar. Man merkt das den 96-Spielern deutlich an. Aus der Rückrunde werde ich deswegen nicht schlau. Die Siege gegen Kaiserslautern und Bochum haben mir keine schlaflosen Nächste bereitet. Die Defensive scheint anfällig. Das muss Dynamo nutzen.

 

Was erwartest Du für Sonntag?

 

Dieses Stadion entwickelt eine eigene Energie. Die Stimmung ist besonders. Die Fans können so motivierend eingreifen, dass die Spieler nochmal drei bis vier Prozent mehr Leistung bringen können. Das haben schon die Heimsiege gegen den VfB Stuttgart und vor Allem Eintracht Braunschweig gezeigt. Die führten hier mit 2:0. Das hätten die eigentlich nicht verlieren dürfen.

 

Also steht alles auf Heimsieg für Dynamo?

 

(lacht) Hannover hat erfahrene Spieler dabei, die sich davon nicht beeindrucken lassen werden. 96 ist auf dem Papier stärker besetzt. Das waren sie aber im Hinspiel auch. Sagen wir unentschieden mit leichter Tendenz für Dynamo.

 

Lieber Jens, vielen Dank für das angenehmen Gespräch.

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