In den Farben getrennt – im Herzen vereint


Vor dem Gastspiel der Hertha, nutzte Tobias von thewalkingred.de die Gelegenheit, sich mit einem interessanten Paar zu treffen. Nina (96erin) und Karsten (Herthaner) sind seit fünf Jahren ein Paar und haben sich einigen Fragen gestellt.

Nina und Karsten sagt mal, wie habt ihr euch kennengelernt?

Wir haben uns vor ca. fünf Jahren uff Arbeit kennengelernt. Als eine Gemeinsamkeit von vielen stellte sich auch das Interesse am Fussball heraus. So ging die gegenseitige Neugier am anderen Verein los.

Wie erträgst du es mit einem Hertha-Fan Zuhause, Nina?

Hab ich gesagt, dass ich es ertrage? Nein, im Ernst: ich begleite die Alte Dame ja auch schon ein paar Jahre und wie bei 96 gibt es Auf’s und Ab’s. Hertha spielte bei unserem Kennenlernen in der zweiten Liga aber im ausverkauften Olympiastadion. Das hat mich beeindruckt.

Karsten, magst du uns verraten, wie du Hertha-Fan geworden bist?

Meine erste Hertha-Saison war bereits 1974/75. Wie so häufig hat mich mein Vater ins Olympiastadion geschleppt. Ich war sofort Feuer und Flamme. In dieser Saison wurde Hertha übrigens Vize Meister… Bayern München nur 10. Lang lang ist es her… Der Erfolg ist im Olympiastadion leider selten zu Hause.

Wie erträgst du es mit einem 96-Fan

Kein Problem. Es gibt andere Vereine, mit denen ich zu Hause größere Probleme hätte. Die brauche ich als Hertha Fan gar nicht extra zu nennen.

Und, Nina, wie bist du eigentlich eine „Rote“ geworden?

Ich bin gebürtige Hildesheimerin. Früher hatte ich mit Fussball wenig am Hut, seit ich aber seit dem Studium und jetzt im Beruf ständig auf Reisen bin, entwickelt sich eine Art Heimatverbundenheit. Auch beim Sport. Und in Hildesheim ist der BTSV natürlich keine Alternative.

 

Karsten, nach einer schwierigen letzten Saison, steht die Hertha steht nach 11 Spieltagen auf Platz 6. Wie beurteilst du das erste Drittel der Saison?

Es ist seit seit etlichen Jahren endlich mal wieder ein vernünftiger Start in die Saison. Das tut richtig gut. Vor allem spielerisch ist das endlich wieder anzusehen. Allerdings hört das Verletzungspech nicht auf. Am Freitag gegen 96 wird Hertha möglicherweise ohne echten Stürmer spielen, neben den Langzeitverletzten ist Ibisevic noch gesperrt.

Kann die „Alte Dame“ sogar nach mehr streben, als dem Klassenerhalt? Was sind die Ziele an der Spree?

Eins haben Hannover 96 und Hertha sowie zehn weitere Mannschaften in der Bundesliga gemeinsam: Erst einmal geht es gegen den Abstieg. Es gibt immer mal wieder eine Mannschaft wie letztes Jahr Augsburg, die einmalig überraschen kann. Hertha sollte diese Jahr versuchen, stets Abstand zu den Abstiegsplätzen zu halten. Ein Jahr ohne Abstiegsstress wäre schön. Ich glaube, dass das gelingen kann. Von mehr wage ich nicht zu träumen.

Bist du überzeugt von Pal Dardai? Ist er der Richtige auf der Hertha-Bank?

Wenn man die spielerische Entwicklung der Mannschaft sieht, dann ja. Er ist aber noch ein junger Trainer. Er macht auch Fehler. Was mir aber gefällt ist, dass er diese selbstkritisch erkennt und sofort daran arbeitet. Beispiel: Die letzten Spiele war Hertha recht müde. Dardai hat das auf sein zu hartes Training in der Vorwoche zurückgeführt und den Spielern 2 Tage freigegeben sowie das Training gedrosselt. Lerneffekte finde ich immer gut.

Aber wir wissen alle wie schnell das geht. Eine schlechte Serie und das Geschrei nach einem neuen Trainer geht wieder los. Ich verfolge ja Eure Diskussion mit Frontzeck auch. Für mich war übrigens Slomka derjenige, der für 96 der Richtige war. Trotzdem ist der schon lange nicht mehr da.

Nina, 96 steckt ja wieder unten drin, obwohl es eine ruhige Saison werden sollte. Wie beurteilst du das erste Saisondrittel unserer „Alten Liebe“?

Ich will ja nicht unken, aber mit dem vorhandenen Spielermaterial war dies genau so zu erwarten. Zudem wurden die drei Siege bisher ja auch eher mit Dusel eingefahren, sodass es eigentlich für 96 noch düsterer aussieht. Normal braucht es in einer Mannschaft eine gesunde Mischung aus konstanten Leistungsträgern, Identifikationsfiguren und Spielern, die den Unterschied machen können. Heute wüsste ich gar nicht, mit welchen Spielernamen ich ein Trikot beflocken lassen würde, so traurig das ist.

Wie stehst du zu Michael Frontzeck? Ist er der richtige Trainer für 96?

Da brauche ich nicht lange überlegen: Nein!

Wer sich wie ich in sozialen Netzwerken mit 96 beschäftigt wird schnell sehen, dass er bei den Fans keinen Rückhalt mehr hat. Meiner Meinung nach auch drastischer als bei seinen Vorgängern. Zudem sind ja zur Zeit durchaus brauchbare Alternativen auf dem Trainer-Markt. Ich hoffe, die Vereinsführung trifft schnell eine Entscheidung. 

 

Du gehst ja zu den Heimspielen mit ins Olympiastadion. Ist Hertha also auch zu deiner Liebe geworden? Wem drückst du Freitag die Daumen?

Ja natürlich. Seit einigen Jahren bin ich aktives Mitglied in unserem Fanclub „Semper Fidelis“ und im Besitz einer Dauerkarte für die Ostkurve.

Beim Aufeinandertreffen beider Clubs drücke ich aber traditionell 96 die Daumen. 

Karsten, wie beurteilst du als Herthaner Hannover 96?

Zunächst einmal habe ich noch die sagenhafte Europapokalstimmung im Niedersachsenstadion in toller Erinnerung. Leider hat die Atmosphäre durch die Querellen zwischen Vereinsführung und Fans gelitten. Ich hoffe, dass die Fans wieder voll zu ihrem Verein stehen.Sportlich wird es sehr schwer. Ich finde, dass Hannover nicht besonders gut eingekauft hat im Sommer. War auch verrückt, das noch Duffner machen zu lassen, obwohl er nicht mehr dabei ist. Meiner Einschätzung nach gehört 96 leistungsmäßig genau dahin wie sie jetzt stehen, nämlich zwischen Platz 13 bis 15.

Fieberst du bei 96 mit, wenn der Gegner nicht Hertha heißt, oder lassen dich die Ergebnisse völlig kalt? Wie baust du deine Frau nach einer Niederlage auf?

Völlig! Wenn Hertha nicht parallel spielt, gucke ich immer das 96- Spiel. Ich bin immer noch hin- und hergerissen von den Europapokalspielen von 96, die ich teilweise selbst im Stadion miterlebt habe. Ich hoffe, Hannover bleibt in der Liga! 

Nina und ich sind während der Spiele hoch emotional. Allerdings schaffen wir es auch, nach dem Spiel wieder herunterzukommen. Bei den überwiegend nicht so erfreulichen Resultaten vom BSC und 96 ist das auch sehr notwendig, sonst wäre das sehr deprimierend. Wir haben insgesamt übrigens 4 Vereine, die wir supporten. Neben Hertha, Hannover sind das der VfV Hildesheim und RCD Mallorca. Alles keine sportlichen Granaten. Kurzrum, auch wenn 96 verloren hat, hilft ein gutes Essen und ein guter Rotwein.

Und zum Schluss: Eure Tipps bitte.

Karsten: Bitte lasst es 1:1 ausgehen. Dann schmeckt Nina und mir gemeinsam der Rotwein noch viel besser.

Nina: 1:1 und diesmal hoffentlich keine Diskussionen über Handspiele und strittige Schiri-Entscheidungen.

Vielen Dank euch beiden. Es hat mir viel Spaß gemacht. 

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