Hannover 96 startet erfolgreich in Jubiläumssaison


Hannover – Hannover 96 läutet mit einem packenden Pokalfight bei Kickers Offenbach eine Jubiläumssaison ein: 2016/2017 jährt sich der DFB-Pokalsieg der Niedersachsen zum 25.Mal.

Stolz präsentiert Kapitän Karsten Murmann den DFB-Pokal. Elfmeterheld Jörg Sievers kann es noch nicht fassen. Foto: Bongarts/Getty Images

Stolz präsentiert Kapitän Karsten Murmann den DFB-Pokal. Elfmeterheld Jörg Sievers kann es noch nicht fassen. Foto: Bongarts/Getty Images

Wie kam es dazu? Ein kurzer Rückblick

Eigentlich war die Saison 1991/1992 bei Hannover 96 von den Vorzeichen her keine, die Geschichten schreiben würde. Keine, an die man noch Jahrzehnte später gerne zurückdenkt. Der Verein steckte von Anfang an tief im Chaos: kurz nach dem Saisonstart wurde Manager Hans-Dieter Schmidt gekündigt, da ihm Misswirtschaft und Erfolglosigkeit vorgeworfen wurde. Den Verein plagten knapp vier Millionen Mark Schulden und Präsident Uwe-Jens Nonnsen kündigte ebenfalls zu Saisonbeginn seinen Rücktritt an. In der auf die Ankündigung folgenden Jahreshauptversammlung im Oktober 1991 lehnte die Mehrheit der Mitglieder in geheimer Wahl mit Herrmann Günsch den Einzigen zur Wahl stehenden Präsidentschaftskandidaten ab, welcher sich mit einer Mitgift in Form eines Millionendarlehens wählen lassen wollte. Um nicht blank dazustehen wählten die Mitglieder Rechtsanwalt Fritz Willig zum Präsidenten (nachdem er laut eigener Aussage auf der Toilette (!) zur Kandidatur überredet wurde).

Mau in der Liga

Auch die Zweitligasaison sollte nicht optimal verlaufen. Erreichte das Team in der zweiten Bundesliga Nord mit einem zweiten Platz und nur vier Niederlagen locker die Aufstiegsrunde, waren die Aufstiegsambitionen dagegen nach einem 0:3 Fehlstart in Meppen, einer 0:1 Pleite im folgenden Auswärtsspiel in Uerdingen bereits gedämpft, und nach der 0:5 Klatsche in Oldenburg endgültig vorbei. So wurde es eine durchwachsene Saison einer durchschnittlichen Zweitliga-Mannschaft. Und nach den Querelen des Vorstandes und fehlender Unterstützung gab auch noch Trainer Michael Lorkowski mitten in der Saison entnervt bekannt,  nach der Saison zum FC St. Pauli wechseln zu werden.

Erfolg im Pokal

Die Magie der Spielzeit bestand aus der DFB-Pokalsaison: Hatte doch Hannover nicht unbedingt Losglück und dennoch auf dem Weg ins Finale vier Bundesligisten ausgeschaltet.
In der ersten Hauptrunde gewannen die Roten mit 7:0 beim Oberligisten NSC Marathon 02.
Zur Runde zwei mussten sie zum Bundesligisten VfL Bochum. Im Ruhrstadion traf Heiko Bonan zum 1:0 für die Gastgeber, Waldemar Steubing (18.) glich aus, Niclas Weiland (30.) und Carsten Surmann (36.) sorgten für die Führung der Roten und ein Eigentor von Roman Wojcicki (38.) sorgte für den 2:3 Anschlusstreffer, der dennoch nichts am Auswärtssieg änderte.
In der dritten Hauptrunde reiste Hannover 96 ausgerechnet zu Borussia Dortmund, die zu der Zeit in der Bundesliga grade einen Lauf hatten. Es wurde eine Demonstration des Willens. Es sah schon aus wie ein Spaziergang des späteren Vizemeisters: die Dortmunder führten bereits 2:0 durch Tore von Bodo Schmidt (20.) und Stephane Chapuisat (28.), ehe die Roten das Spiel in der zweiten Hälfte durch die Treffer von Patrick Grün (71.) und André Breitenreiter (82.) ausglichen und überraschend durch einem Hammer von Jörg-Uwe Klütz in der 89. Minute das schon verloren geglaubte Spiel in 18 Minuten drehten. Erneut hatte Hannover 96 einen Bundesligisten mit 3:2 auswärts besiegt.
Das Achtelfinale wurde gegen den Liganachbarn Bayer Uerdingen ausgetragen und denkbar knapp durch das Tor von Patrick Grün (38.) mit 1:0 gewonnen. Das gleiche Team übrigens, gegen das die Ligapartie knappe zwei Wochen später 1:3 verloren ging.
Beim 1:0 Sieg im Viertelfinale gegen den Bundesligisten Karlsruher SC traf im Niedersachsenstadion wiederum 96-Dauerbrenner Matthias Kuhlmey (72.) und ein junger, aufstrebender Torwart Namens Oliver Kahn musste hinter sich greifen.
Das Halbfinale gegen den Vorjahrespokalsieger Werder Bremen wurde für Torwart Jörg Sievers zum Triumph. In diesem Spiel vereitelte er diverse Bremer Chancen und hielt den Kasten sauber, sodass die Teams in die Verlängerung mussten, weil 96 ebenfalls nicht traf. Dann aber jubelten die Roten: in der 95. Minute schoss Michael Koch das 1:0. Leider glich Rune Bratseth umgehend aus; das 1:1 fiel nur zwei Minuten später (97.). Somit musste das Elfmeterschießen entscheiden. Für Hannover trafen Milos Djelmas, Roman Wojcicki, André Siroks, Oliver Freund, Michael Schjönberg; Carsten Surmann scheiterte hingegen an Bremens Keeper Jürgen Rollmann. Für Bremen trafen Stefan Kohn, Wynton Rufer, Torsten Legat, Uli Borowka, Thomas Wolter und Rune Bratseth schoss vorbei. Beim Stande von 5:5 verwandelte Sievers selbst vom Punkt und hielt danach den entscheidenden von Marco Bode; Hannover 96 gewann somit 6:5 (1:1) nach Elfmeterschießen – Sievers wurde zum uneingeschränkten Pokalhelden und das Finale war erreicht!

Elferdrama in Berlin

Am 23.05.1992, auf den Tag genau 38 Jahre nach dem Meistertitel 1954 war das Finale gegen Borussia Mönchengladbach. Und wieder würde das Elfmeterschießen den Sieger ermitteln und die Spannung auf die Spitze treiben. Dabei hätte 96 durchaus Chancen gehabt es in der regulären Spielzeit zu entscheiden. Hannover versteckte sich nicht, und den Gladbachern merkte man die Bürde des Favoriten an. In der zweiten Hälfte traf Bernd Heemsoth das Tor nicht, nachdem Milos Djelmas im Gladbacher Strafraum den Ball zu ihm durchsteckte und er unbedrängt nur den Torwart anschoss. Nachdem es erstmals in der Geschichte des DFB-Pokals nach 120 Minuten nur 0:0 stand, musste auch hier das Elfmeterschießen die Entscheidung erzwingen. Nachdem Milos Djelmas und Roman Wojcicki auf der Seite der Roten und Thomas Kastenmaier und Hans-Jörg Criens für die Gladbacher jeweils ihre Elfmeter verwandelten, kamen jetzt die Torhüter ins Spiel. Karlheinz Pflipsen scheiterte an Jörg Sievers, im direkten Gegenzug allerdings auch Oliver Freund am Gladbacher Schlussmann Uwe Kamps. Sievers wehrte aber direkt danach ebenfalls den Ball von Holger Fach ab. Nun kam es für die Gladbacher auf Jörg Neun an – Er musste treffen, wollte man im Spiel bleiben. Und er traf. Somit hatte Michael Schönberg den Titelgewinn auf dem Fuß und er schoss den Ball sicher in die linke Torecke! 4:3 n. E.! Am 23.05.1992, um 20:37 wurde Hannover Pokalsieger! Die Stadt war für Tage im Ausnahmezustand!

Nachwirkungen

Völlig unerwartet schrieb sich das Team von Hannover 96 in die Annalen des DFB-Pokals ein. Einen Treppenwitz der Geschichte war jedoch das Lospech der Auslosung für den Europapokal der Pokalsieger, für den sich ja der Pokalsieger automatisch qualifizierte. Im Text der Pokalsieger-Hymne „Wir waren in Berlin“ der Hardrocker von Hardware hieß es „ob Juve, Inter, Real – es ist uns egal!“ – Falsch. Statt internationaler Partien mit europäischen Spitzenclubs wurde es schon wieder Werder Bremen mit dem internationalen Flair eines Norddeiches. Es gibt kaum einen anderen Verein, gegen den Hannover 96 in der Geschichte schon öfter angetreten ist. Und trotz eines 2:1 Heimsieges war dann in der Runde Schluss, da Werder Bremen mit das Hinspiel mit 3:1 gewann. Somit blieb vom Pokalsieg, dass zumindest im Finanziellen der Verein in ruhigere Gewässer kam. Sportlich hingegen wirkte es sich leider nicht nachhaltiger aus – vier Jahre später ging es nach turbulenten Spielzeiten herunter in die dritte Liga. Ein Umbruch, der für den gebeutelteten Verein eine Zeitenwende bedeutete. Das ist aber eine andere Geschichte.

Einmal ist keinmal?

Wenn es sehr gut läuft, könnte Hannover den Erfolg von 1992 wiederholen. Wenn es optimal läuft, würde Hannover nicht sich selbst, sondern Kickers Offenbach nacheifern. Der Gegner der ersten Pokalrunde hat 1970 zwar offiziell ebenfalls als Zweitligist den DFB-Pokal geholt, war aber schon zum Zeitpunkt des Finales in die Bundesliga aufgestiegen. Das wäre schon eine Sensation. Aber Träumen wird doch wohl erlaubt sein.

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