„Hannover 96 ist mir deutlich lieber zum Auftakt als Sandhausen“


Hannover – Am Freitag startet die neue Saison in der 2. Bundesliga. Hannover 96 muss zum Auftakt beim 1. FC Kaiserslautern antreten. Thomas von „Der Betze brennt“ freut sich auf das Spiel und für alle 96-Fans wertvolle Tipps parat.

Knapp 40.000 Zuschauer werden auf dem Betzenberg erwartet. Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images)

Knapp 40.000 Zuschauer werden auf dem Betzenberg erwartet. Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images

Thomas, vielen Dank für Deine Zeit. Du wurdest 1990 Fan des 1. FC Kaiserslautern. Beschreib uns doch bitte, was Deine Leidenschaft entfacht hat.

Da muss ich Nick Hornby und „Fever Pitch“ zitieren: „Du suchst Dir nicht Deinen Verein aus. Dein Verein sucht sich dich aus!“. Fußball-Fan bin ich als Neunjähriger durch die WM 1990 geworden. Der FCK hatte in dem Jahr den DFB-Pokal gewonnen und wurde ein Jahr später Deutscher Meister. Ich komme nicht aus Kaiserslautern, sondern aus der Nähe von Trier. Meine Klassenkameraden in der Grundschule waren Anhänger der „Roten Teufel“ und so hat es sich auch für mich ergeben, FCK-Fan zu werden. Aufgrund der Erfolge war es damals als Kind natürlich einfacher dran zu bleiben. Mein erster Stadionbesuch war bei einem Freundschaftsspiel 1992 im Rahmen des Fuji-Cups in  meiner Heimatstadt Trier gegen Eintracht Frankfurt. Mit 18 Jahren holte ich mir spät meine erste Dauerkarte, was damals aufgrund des immer vollen Stadions gar nicht so einfach war. Aufgrund meines Berufs entstand dann auch das Interesse Websiten zu basteln und so entstand „Der Betze brennt“. Die Seite ist klein gestartet und immer weiter gewachsen. Jetzt sind wir bei jedem Spiel mit mehreren Personen dabei.

Nach dem Bundesliga-Abstieg 2012, ist Lautern 2013 zunächst in der Relegation gescheitert, danach zwei Mal in Folge Vierter geworden, hat die vergangene Saison nur noch aus Zehnter abgeschlossen. Wie würdest Du die Stimmung unter Euch Fans auf dem Betzenberg beschreiben?

Man muss da zunächst zurück blicken und den Namen „Stefan Kuntz“ nennen. Er hat uns als Vorstandsvorsitzender 2008 vor dem Abstieg in die Dritte Liga bewahrt. Im Jahr 2010 sogar in die Bundesliga geführt. Der erste Teil seiner Amtszeit war sehr erfolgreich. Nicht erst seit unserem letzten Bundesligaspiel im Mai 2012 in Hannover ging es aber deutlich abwärts. In der letzten Saison ist das Kartenhaus zusammen gefallen und Stefan Kuntz gegangen. Es kam zu einem großen Umbruch. Alles von Vorstand, Manager bis zum Trainer wurde ausgetauscht. Aus diesem Neuanfang resultiert  eine gewisse Aufbruchsstimmung. Aus finanzieller Sicht wird es schwer sofort durchzustarten. Die Hoffnung haben die Fans trotzdem. Zumindest bis zum ersten Spiel (lacht). Die letzte Saison war sehr hart. Unter der neuen Vereinsführung soll das Verhältnis zwischen Klub und Fans besser werden. Vieles war seit 2012 in die Brüche gegangen. Es gab Streit und Verwerfungen. Aber nicht so schlimm, wie in Hannover (lacht).  In der letzten Saison kam es auch zu Irritationen zwischen Spielern und Fans. Aus dem Kreis der Mannschaft hieß es, dass die Erfolgsfans doch zu Hause bleiben sollten.  Der Zuschauerschnitt ist dann wirklich um fünf bis 6.000 zurückgegangen. Viele Fans müssen erst zurück gewonnen und überzeugt werden. Es muss Aufbauarbeit geleistet werden Der Verein versucht diese Aufbruchsstimmung zu verstärken.

Hat Einiges vor: FCK-Trainer Tayfun Korkut. Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images)

Hat Einiges vor: FCK-Trainer Tayfun Korkut. Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Tayfun Korkut, in Hannover ein alter Bekannter, wurde als neuer Trainer verpflichtet. Wie lautet sein Auftrag?

Der Trainer wurde auch in Hinblick auf ein potentielles Wecken von positiven Emotionen verpflichtet. Korkut beherrsche die Basics wie Taktik, Training und könne auch die viel zitierte Aufbruchsstimmung zu befeuern. Bei uns wird ein offensives, kampfbetontes Spiel gern gesehen. Es geht um die so genannten „Fritz-Walter-Tugenden“. Aus Hannover war zu hören, dass Korkut ein Taktikfuchs sei. Da bin ich persönlich sehr gespannt, ob sich das verbinden lässt. Er macht bis jetzt einen guten Eindruck.

Ist der Trainer in Deinen Augen eine gute Wahl?

Das ist auch immer eine Frage, wer noch so in der Verlosung gewesen ist. Es hat fast einen Monat gedauert, einen Trainer zu finden. Da war natürlich die Erleichterung groß. Der vermeintliche Wunschtrainer Rüdiger Rehm, der nach Bielefeld gewechselt ist, hatte drei Tage vorher abgesagt.

Gibt es ein Saisonziel auf dem Betzenberg?

Es ist ja leider relativ modern geworden, kein Ziel zu nennen. In Hannover ist das natürlich anders. Als Absteiger muss man im Prinzip das Ziel „Wiederaufstieg“ ausgeben. Vom FCK wurde zunächst noch kein offizielles Saisonziel ausgegeben. Der neue Sportdirektor, Uwe Stöver, hat so schön gesagt, dass man nicht wieder Zehnter werden will. Vom Aufstieg wagt sich keiner zu reden. Aber davon träumen ist erlaubt. Das trifft auch auf mich zu. Mein Tipp ist, dass wir unter den ersten Sechs landen. Für die ersten Drei Plätze müsste alles passen, Glück hinzukommen und Miroslav Klose heimkehren (lacht).

Wie beurteilst Du Hannover 96 aus der Ferne? Hat Dich der Abstieg der Stendel-Elf überrascht?

Insgesamt hat mich der Absturz nach den Europa-League-Auftritten schon überrascht. In den vergangenen zweieinhalb Jahren ist Hannover regelrecht eingebrochen. Mich hat auch überrascht, dass der Abstieg so sang- und klanglos stattgefunden hat. Mit Abstiegskampf hatte ich gerechnet. Dafür musste man auch als Außenstehender kein Prophet sein. Man denke nur an die Last-Minute-Rettung im Heimspiel gegen den SC Freiburg in der Saison davor. Es war damit zu rechnen, dass es eng werden könnte.

Wie zufrieden bist Du mit dem Auftaktgegner?

Ich finde es gut. Attraktiver Gegner für das erste Heimspiel. 96 ist gut, um Zuschauer anzulocken und mir definitiv lieber, als ein Spiel gegen Sandhausen. Es lässt sich auch darauf spekulieren, dass Hannover sich als Absteiger erst noch finden und an die Zweite Liga gewöhnen muss. Und vielleicht ist es deswegen gut, gleich am Anfang auf einen Absteiger zu treffen.

Ist 96 für Dich ein direkter Aufstiegskandidat?

Für mich gehört Hannover ganz klar zu den Aufstiegskandidaten! Meine Prognose lautet, dass einer der Absteiger, aus Hannover und Stuttgart, direkt wieder aufsteigt. Der Andere wird aber Probleme bekommen und in der Zweiten Liga hängen bleiben. Wir beim FCK können ja ein Lied davon singen. Sind wir einer der Absteiger, der für mehrere Jahre in der Liga feststeckt.

Wer geht direkt hoch?

Das wirst Du sicher gern hören: Ich tippe auf Hannover als Aufsteiger.

Teilst Du die Ansicht, dass dafür einer der ersten beiden Plätze nötig sein wird? Relegation war bisher kein gutes Pflaster für die Zweitligisten.

Das hängt natürlich sehr davon ab, wer in der Bundesliga Sechzehnter wird. Spielt man gegen den HSV, so wie der KSC, ist man der Außenseiter. Es sind allerdings sehr viele eher kleinere Vereine in der obersten Spielklasse. Spielt man beispielsweise gegen Darmstadt, wäre für mich Hannover klarer Favorit. In der kommenden Saison könnte Platz Drei mal wieder reichen.

Wird es in Hanover viel zu jubeln geben? Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Wird es in Hanover viel zu jubeln geben? Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Hast du spezielle Tipps für die Anreise? Gibt es für die 96-Fans etwas zu beachten?

Es ist ein Freitags-Spiel. Ein wenig Puffer für den Feierabendverkehr einzuplanen kann sicher nicht schaden. Ich kann jedem Auswärtsfan nur empfehlen, zu Fuß zum Stadion zu gehen. Das Fritz-Walter-Stadion thront dort hoch oben über der Stadt. Vom Bahnhof aus den Betzenberg zu erklimmen ist etwas Unvergleichliches im deutschen Fußball. Nicht nur weil es anstrengend ist (lacht). Es gehört einfach dazu. Man kann aber natürlich auch mit dem Bus oder einem Taxi vom Bahnhof zum Stadion fahren.

Was kostet das Taxi?

Das kann keine zehn Euro kosten. Zum Stadion ist es ja nur knapp ein Kilometer.

Was gibt es in der Stadt zu erleben?

In Kaiserslautern als Kleinstadt, ist fast alles fußläufig erreichbar. Das Stadion liegt auch mitten in der Stadt. Vor und nach dem Spiel kann man gut in die Stadt gehen. Die bekannteste Kneipe, das „Hannenfass“, ist leider kürzlich abgebrannt. Direkt am Hauptbahnhof befindet sich der „Fantreff zum 12. Mann“. Beim Rausgehen aus dem Bahnhof fällt man da fast rein. Da kann man auch als Auswärtsfans ein Bier vor dem Spiel trinken und ein paar FCK-Fans kennen lernen. Für die Fans, die gern einmal pfälzische Küche, wie den durch Helmut Kohl berühmt gewordenen Saumagen, probieren möchten, dem sei die „Wurst-Küch“ in der Wilhelmstraße, oder das „Zum Spinnrädl“ in der Altstadt ans Herz gelegt.

Gibt es vielleicht noch einen richtigen Geheimtipp?

Da habe ich eine spezielle Empfehlung. Ratinho, Meisterspieler von 1998, betreibt ein brasilianisches Restaurant in Kaiserslautern. Es nennt sich Sabor Brasil. Da muss man allerdings großen Hunger mitbringen. Brasilianisches Essen ist generell sehr fleischhaltig und das Restaurant arbeitet nach dem „All-You-Can-Eat-Prinzip“.

Betreibt nach seiner aktiven Karriere ein Restaurant in Kaiserslautern: Ratnho, Meisterspieler von 1998. Foto: Volker Boch/Bongarts/Getty Images

Betreibt nach seiner aktiven Karriere ein Restaurant in Kaiserslautern: Ratinho, Meisterspieler von 1998. Foto: Volker Boch/Bongarts/Getty Images

Wo gibt es die ultimativ beste Wurst?

Im Stadion ist der Imbiss Härting besonders empfehlenswert. Dort gibt es Pferdefleisch. Pferdewurst, Pferdefrikadellen und Pferdeschnitzel. Ob das dann auch die beste Wurst ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Zum Schluss Ihr Tipp bitte. Wie geht das Spiel aus?

Der FCK wird natürlich, hoffentlich mit einem großen Publikum im Rücken, das Spiel gewinnen. Ich tippe auf 2:1 oder 3:1 für uns.

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