Füllkrug und 96: Passt das? – Einschätzung eines „Club“-Fans


Nach Medienberichten steht Niclas Füllkrug vor einem Wechsel zu Hannover 96. Doch, wer ist dieser Spieler und was zeichnet ihn aus? Kann er eine Verstärkung sein?  „Club“-Fan Steffen fasst seine Zeit in Nürnberg zusammen. 

Niclas Füllkrug erzielte vergangene Saison 14 Tore für den "Club". Foto: https://twitter.com/1_fc_nuernberg

Niclas Füllkrug erzielte vergangene Saison 14 Tore für den „Club“. Foto: https://twitter.com/1_fc_nuernberg

Die erste Saison – Anfänge auf der Außenbahn

„Niclas Füllkrug verstärkt den Club: Der 1. FC Nürnberg hat mit dem 21-Jährigen einen weiteren Spieler für die Offensive verpflichtet. Der Angreifer kommt von Werder Bremen.“

So lautete im Juni 2014 die Mitteilung, als man Niclas Füllkrug in Nürnberg vorstellte Der damalige Sportchef Martin Bader, mittlerweile in Hannover, einigte sich mit dem SV Werder Bremen auf eine Ablöse in Höhe von 300 Tausend Euro. Werder bekam für den Sommer 2016 eine Rückkaufoption über 1,8 Millionen Euro. Der Stürmer unterzeichnete einen Vertrag über drei Jahre (bis 2017) unterschrieben. Schon in der Vorsaison wurde der 21-Jährige von Werder Bremen verliehen. Sein Bewerbungsschreiben bestand aus sechs Toren und einer Vorlage in 24 Einsätzen für die Spielvereinigung Greuther Fürth, darunter auch die Spiele in der Relegation gegen Hamburg.

Sollzukünftig für 96 jubeln. Foto: Micha Will/Bongarts/Getty Images)

Soll zukünftig für 96 jubeln. Foto: Micha Will/Bongarts/Getty Images)

Die Neuverpflichtung etablierte sich sofort zum Stammspieler auf der linken Außenbahn. Auch der Trainerwechsel von  Valerien Ismael zu Rene Weiler änderte daran nichts. Er erreichte in der Saison 2014/2015 in insgesamt 25 Spielen, davon 19 von Beginn an, drei Tore und sieben Vorlagen. 20 Spiele absolvierte Füllkrug auf der linken Seite. Nur ein einziges im Sturmzentrum, wo er gegen den damaligen Drittligisten MSV Duisburg nicht für viel Gefahr sorgte. Sein eigentliches Potential als Stürmer blieb noch verborgen. Aufgrund eines Knorpelschadens konnte er ab dem 25. Spieltag nicht mehr mitwirken und fiel die restliche Saison aus. Das von Martin Bader ausgegebene Saisonziel, den direkte Wiederaufstieg verpasste man nur „knapp“ auf Platz Neun mit acht Punkten Rückstand auf Tabellenplatz drei.

Versetzung in die Sturmmitte

Die folgende Saison, 2015/2016, startete für ihn und den Verein nicht gut. Der 1. FC Nürnberg verlor im Montagabendspiel 3:6 gegen die Bundesliga-Absteiger vom SC Freiburg. Füllkrug war nicht im Kader. In den folgenden Spielen konnte er im Sturmzentrum neben Guido Burgstaller, von seinen Qualitäten als Stürmer überzeugen. Auch wenn es sich in der Hinrunde nur selten mit Zahlen belegen lassen konnte (vier Tore und zwei Vorlagen in 13 Spielen), war man in Nürnberg hinsichtlich einer verbesserten Torausbeute für die Rückrunde zuversichtlich. Nach der Winterpause stand er in jedem Spiel in der Startelf und konnte die Erwartungen an ihn von Spiel zu Spiel immer mehr bestätigen. Er traf gleich zweimal in drei aufeinander folgenden Spielen, schnürte Doppelpack gegen den FC St. Pauli, engster Konkurrent um den dritten Platz  und schoss einen Dreierpack gegen Union Berlin. Zum Helden machte ihn sein Derby-Siegtor. Kurz vor Schluss traf der Offensivspieler mit dem Kopf gegen den Rivalen aus Fürth. Insgesamt schaffte Niclas Füllkrug in seiner ersten „richtigen“ Profisaison in 35 Spielen 15 Tore und vier Vorlagen. Zieht man die beiden Relegationsspiele gegen die Eintracht aus Frankfurt ab, traf er im Schnitt fast jedes zweite Spiel.

Noch sind die beiden Vereine weit auseinander. Foto: Micha Will/Bongarts/Getty Images)

Noch sind die beiden Vereine weit auseinander. Foto: Micha Will/Bongarts/Getty Images)

Aber was für ein Stürmertyp war Niclas Füllkrug eigentlich?

Er hat sich menschlich und sportlich in seiner Nürnberger-Zeit stark verändert. Am Anfang war auf das Torfschießen fokussiert und hatte kein Interesse an Defensivarbeit. Mit der Zeit entwickelte er sich zu einem „Kämpfer“. Er presste zusammen mit seinem Team sehr oft laufintensiv gegen den Ball und kein Weg war ihm zu weit. Oft wurde er mit weiten Bällen von den Innenverteidigern angespielt und konnte sich mit seiner Zweikampfführung und seinem Körperbau sehr oft durchsetzen. Danach legte er je nach Möglichkeit den Ball auf einen nachrückenden Spieler ab, oder versuchte selbst zu vollenden. Füllkrug ist sehr kopfballstark (drei Kopfballtore in der Saison 2015/16). Vom Spielertyp ähnelt er einem Thomas Müller. Auch wenn der Bayern-Profi qualitativ die Nase vorn hat.

Ziel Bundesliga

Sein Potential und seine Torquote weckten auch bei anderen Vereinen Begehrlichkeiten. Als Nachteil erwies sich die Hängepartie mit Werder Bremen.  Gegenüber der Kreiszeitung Syke sagte der damalige Werder-Sportchef, Thomas Eichin, im April: „Gott sei Dank haben wir eine Rückkaufoption.“ Eichin wurde aber am 19. Mai freigestellt und plötzlich war der Rückkauf nicht mehr so klar. Nachfolger Frank Baumann wollte zunächst ein persönliches Gespräch mit Niclas führen. Am 27. Mai, noch vor Ablauf der Frist zum Rückkauf verkündete der neue Sportchef in Bremen:“Ich habe mit Niclas Füllkrug telefoniert und ihm mitgeteilt, dass wir uns gegen die Rückkauf-Option entschieden haben. Wir sind im Sturm gut besetzt.“ In Nürnberg war man vorerst erfreut, da man ihn nicht unter seinem Wert abgeben musst und weil man die leise Hoffnung hatte, ihn vom einem Verbleib überzeugen zu können. Nur kurze Zeit später kamen Gerüchte  aus der Bundesliga auf. Unter anderem meldeten der FC Ingolstadt und der Bundesligaabsteiger Hannover 96 Interesse an. Sein Beratererklärte gegenüber der BILD die Bundesliga als Ziel seines Schützlings: „Sie hat Priorität.“

Rückkehr in Heimatstadt?

Am 29.Juni drängte Füllkrug wieder über BILD Online auf einen Wechsel. „Ich habe mich entschieden, bin mir bereits einig mit dem Verein. Ich möchte dieses Angebot unbedingt wahrnehmen.“ Am gleichen Tag folgte er auf Instagram dem Account von Hannover96, entfolgte selbigen nach nur einer Stunde aber wieder. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete anschließend über das angespannte Verhältnis zwischen Martin Bader und seinem Nachfolger Andreas Bornemann. Dieses sei ein Hindernis für den Wechsel. In den Nürnberger Nachrichten beklagte der „Club“-Sportvorstand, 96 habe ohne Wissen Nürnbergs mit Füllkrug verhandelt. Das ist laut DFL-Statuten verboten, da der Vertrag des Stürmers noch länger als ein halbes Jahr (bis Sommer 2017) läuft. Man denke über interne Sanktionen für den Spieler nach. Außerdem müsse der Spieler definitiv bis zum Ende des Trainingslagers am 06. Juli bleiben. Wie geht es weiter? Füllkrug wird für eine Summe von über zwei Millionen Euro und weiteren Extrazahlungen nach Hannover wechseln.

Passt Füllkrug mit seinem Spielstil nach Hannover?

96 hat in der vergangenen Saison die wenigsten Tore in der Bundesliga geschossen (31). Ein Grund lag sicherlich in der Auswahl der falschen Stürmer. Weder Mevlüt Erdinc, noch Hugo Almeida und Adam Szalai wurden zu Verstärkungen. Niclas Füllkrug hat in der vergangenen Saison zuverlässig in der Zweiten Liga getroffen. Wird er durch Flanken und Standards mit Bällen versorgt, kann er seine Kopfballstärke einsetzten und so für mehr Torgefahr nach ruhenden Bällen sorgen. Der Stürmer wirkt körperlich robust. Darauf wird es im aufreibenden Kampf mit den gegnerischen Verteidigern ankommen. Dabei kann er seinen Körper einsetzen und so auch Mitspieler in Szene setzen. Er ähnelt dabei Artur Sobiech. Vorbei Füllkrug: Er kennt die Liga. Beide werden kaum zusammen spielen, es sei denn Füllkrug weicht auf den Flügel aus. Die Offensive wäre damit um eine Alternative reicher. Wichtiger wäre allerdings das Mittelfeld zu stärken, damit mehr Zuspiele in die Spitze kommen.

Was bleibt für den „Club“

Was bleibt ist ein Stürmer, der Nürnberg fast im Alleingang in die Bundesliga geschossen hat. Was bleibt, ist ein Mensch, der sagt er wollte unbedingt in der Bundesliga spielen und dann zu einem Ligakonkurrenten zu wechseln. Was bleibt ist ein fader Beigeschmack.

 

 

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5 Gedanken zu “Füllkrug und 96: Passt das? – Einschätzung eines „Club“-Fans

  • Bomber Manolo

    Sehr schön zusammengefasst! Ich denke Füllkrug is ein guter Zweitligastürmer, aber (noch) keiner für die erste Liga. Darum holte ihn kein Erstligist, weshalb er nun in der 2.Liga mehr verdienen möchte. Bader zahlt in der 2. so wie in der 1.! Das wissen wir in Nürnberg nur zu gut! 😉