Er kam, sah und siegte…


Der Höhenflug des TSV Havelse, oder #wiegeilistdasdenn

Wenn man über Fußball in der Region Hannover berichtet, führt diese Wochen kein Weg vorbei am TSV Havelse.

Nach eher durchwachsenem Saisonstart, gelangen den Garbsenern zuletzt fünf Siege am Stück. Auch die Derbys gegen die U23 von Hannover 96 und dem VfV Hildesheim, konnten siegreich bestritten werden. Nur das Wetter verhinderte den sechsten Streich in Folge, gegen die U23 des FC St. Pauli am heutigen Sonntag. So kletterte man aus der unteren Tabellenhälfte bis auf Platz 4 der viertklassigen Regionalliga Nord. Gefilde, die man beim TSV Havelse, nach dem Abgang von Andre Breitenreiter als Trainer, nur noch vom Hörensagen kannte. Daher hat auch Tobias von thewalkingred.de dem sympathischen Vorstadtclub einen Besuch abgestattet.

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Das Wilhelm-Langrehr-Stadion freut sich immer über Besuch. Foto: Tobias Krause

 

Der Aufschwung bei unseren Nachbarn, ist eng verknüpft mit der Verpflichtung von Alexander Kiene als Cheftrainer Anfang Oktober. Jedes seiner Spiele als Coach, konnten die Havelser Jungs gewinnen und blieben dabei in vier Spielen zwei Mal ohne Gegentor.


Zur Person Alexander Kiene:
Geboren 1977 in Stadtoldendorf
Abitur 1997 am Gymnasium Alfeld
Studium an der Universität Hildesheim 1998 bis 2002
Referendariat am Studienseminar Hildesheim 2002 bis 2004
Lehrer für Sport und Englisch an der Leine-Schule in Neustadt seit 2004
Station als Spieler:
TSV Havelse, Sportfreunde Ricklingen, VfV Hildesheim, 

SpVgg. Einbuk 05, SV Wehrstedt 65, Hannover 96 Senioren
Stationen als Trainer: 
DFB-Stützpunkt (2004-2007), Preußen Hameln 07 (2007-2009), 
OSV Hannover (2010-2011), SV Arminia Hannover (2012 – 2014), 
 BSV Rehden (2014-2015), TSV Havelse (seit 12.10.2015)                                                 


„Die Spieler machen einen herausragenden Job. Der Geist in der Mannschaft ist außerordentlich gut.“

Grund genug, sich mal etwas intensiver mit dem jungen Trainer zu befassen. Er war bereit, sich den Fragen von Tobias zu stellen. Vielen Dank dafür, lieber Alexander.

Du hast, um zum TSV zu wechseln, den BSV Rehden nach etwas mehr als einem halben Jahr wieder verlassen. Was gab für dich den Ausschlag, dem Ruf aus Havelse zu folgen?

Ich habe unwahrscheinlich erfolgreiche 9 Monate mit vielen schönen Momenten beim BSV Rehden erlebt. Wir haben mit 29 Punkten in 14 Partien den für viele nicht mehr möglich gehaltenen Klassenerhalt in Rehden souverän realisiert. Diesen Prozess haben wir auch in der neuen Saison mit Platz 7 nach 10 Spielen fortsetzen können. Wir sind in der kompletten Zeit zu Hause ungeschlagen geblieben. Die Mannschaft hat Außergewöhnliches geleistet und sich dabei auch taktisch und fußballerisch entwickelt. Dennoch sind die strukturellen und professionellen Möglichkeiten in Rehden limitiert. Umso höher ist die Leistung der Mannschaft seit Januar bis Oktober 2015 zu bewerten. Für den TSV Havelse habe ich mich aus verschiedenen Aspekten entschieden. Ich kann nun in der Region Hannover die Verbindung aus Lehrer-Beruf, Trainer und Familie perfekt kombinieren. Das ist ein erheblicher positiver Faktor in Sachen Zeit, Stress und Lebensqualität. Hannover ist meine Heimat und meine Lebensbasis. Zudem habe ich eine besondere Verbindung zum TSV durch meine aktive Zeit als Spieler. Ich kenne die Gegebenheiten, das Umfeld und die Verantwortlichen bestens und weiß den familiären und leidenschaftlichen Charakter des Vereins sehr zu schätzen. Der TSV Havelse hat sich insbesondere durch das tolle Engagement von Stefan Pralle in den letzen Jahren stark entwickelt und bietet gute Strukturen für eine erfolgreiche Arbeit in der Regionalliga. Ich freue mich, dass ich wieder Teil dieser TSV-Familie bin und als Cheftrainer meinen Teil dazu beitragen möchte, dass die erste Mannschaft erfolgreichen und attraktiven Fußball bietet. Es ist insgesamt ein weiterer und guter Schritt in meiner Trainerlaufbahn.

Du bist ja auch noch Lehrer. Gibt es da keine Terminprobleme und wie meisterst du diese Doppelbelastung?

Die Doppelbelastung ist schon sehr stressig und intensiv. Ich bin vormittags und studenweise nachmittags in der Schule als Lehrer für Sport und Englisch tätig. Terminprobleme gibt es nur in den Prüfungs- und Zeugnisphasen. Das Training beim TSV Havelse findet innerhalb der Woche grundsätzlich abends statt. Auch alle Spieler arbeiten, so dass wir versuchen, unter semi-professionellen Bedingungen das Maximum an Erfolg rauszuholen. Auch hier kann ich nur nochmal betonen, dass die Spieler des TSV Havelse, auch im Vergleich zu anderen Regionalliga-Mannschaften, die Profi-Strukturen haben, einen herausragenden Job machen. Die Verbindung aus Arbeit und Fußball zu meistern, ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Auch für mich als Trainer. Ich liebe und lebe den Fußball und versuche diese Energie und Leidenschaft auch auf meine Mannschaft zu übertragen.

„Welcome Back“ So begrüßten die TSV-Fans „Ihren“ Alex beim Heimspieldebüt. Foto: Tobias Krause

Seit deinem Amtsantritt gab es bisher nur Siege. Wie erklärst du dir diesen außergewöhnlichen Start?

Die Mannschaft hat einen außerordentlich guten Charakter und Geist. Sie braucht eine klare Führung, ist dann aber unwahrscheinlich motiviert, wissbegierig und für den Fußball zu begeistern. Wichtig ist immer, eine Vertrauensbasis zwischen Trainer und Mannschaft herzustellen und jeden Einzelnen auf diesem Weg mitzunehmen. Ich denke, dass uns dies auf kommunikativer und psychologischer Ebene bislang gut gelungen ist. Wichtig für Leistung im Sport ist auch immer, dass ein Wohlfühlfaktor und eine positive Grundstimmung im Team herrschen. Beide Faktoren sehe ich derzeit absolut gegeben. Ich habe der Mannschaft zudem meine Ideen und Impulse vom Fußball näher gebracht und mit ihnen in den Details auf und neben dem Platz intensiv gearbeitet. Mit jedem Sieg mehr ist der Glaube und die Überzeugung an die eigene Stärke gestiegen. Das wir als TSV Havelse nun mit 29 Punkten auf Platz 4 der Regionalliga stehen, ist eine tolle Momentaufnahme.

Was hast du verändert? Worauf legst du besonderen Wert?

Zunächst einmal steht im Vordergrund aller Überlegungen der Teamgedanke und Spirit. Wenn jeder einzelne Spieler beim TSV Havelse seine vorhandene individuelle Qualität für die Mannschaft einbringt und im Sinne des Teams denkt und handelt, werden wir erfolgreiche Spiele erleben können. Dazu gehören klare Regeln, die der Manschaft von mir als Trainer vorgelebt und vorgegeben werden müssen, aber auch die Selbstverantwortung der Spieler auf und neben dem Platz. Wir haben in den ersten Tagen intensiv am Teambuilding gearbeit. Der zweite wesentliche Aspekt war das Vermitteln einer klaren Spielidee und Spielphilosophie. Wir haben dafür im Training und in Videositzungen an technisch-taktischen Abläufen gearbeit. Dabei geht es darum, der Mannschaft insgesamt und den Spielern auf den einzelnen Positionen klare Handlungsprinzipien zu geben, die sie auf dem Platz erfolgsorientiert für das Team umsetzen sollen. Ich möchte eine Mannschaft haben, die gut organisiert und strukturiert Fußball spielt sowie mutig und aggressiv verteidigt. Die Basis für Erfolg steht immer in der Defensive. Wir haben zum Beispiel daran gearbeitet, durch ein kompaktes und aggressives Pressing Fehler beim Gegner zu erzwingen und dann durch schnelles Umschaltspiel die Räume zu nutzen. Wir können uns in den taktischen Details nach wie vor stark verbessern, die Mannschaft ist aber auf einem guten Weg.

„Wir wollen uns mit ein bis zwei Spielern verstärken.“

Was ist für euch diese Saison noch drin? Schaust du auch nach oben, wenngleich zehn Punkte ein großer Rückstand auf Oldenburg sind?

Wir blicken erstmal bis zur Winterpause und wollen von Spiel zu Spiel weitere Punkte holen sowie weiter auf unserer kleinen Erfolgswelle schwimmen. Für den TSV Havelse ist der aktuell vierte Platz, betrachtet an den eigenen Möglichkeiten und denen der Konkurrenz, immer eine außergwöhnliche Platzierung. Von daher genießen wir den Moment. Und wissen auch, dass wir unseren Erfolg weiter hart erarbeiten müssen.

Bist du mit deinem Kader zufrieden, oder planst du Änderungen in der Winterpause?

Es ist so, dass unser Kader in der Breite stark begrenzt ist. Wir haben durch drei Langzeitverletzte und durch die kurzfristigen Abgänge von Erhan Yilmaz und Deniz Tayar zum Ende der Wechselperiode eine enge Kadersituation. Es darf aktuell wenig passieren und wir hoffen, dass wir bis zur Winterpause von Verletzungen verschont bleiben. Aus den genannten Gründen wollen wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten zum Winter mit ein bis zwei Spielern verstärken.

Was sind deine mittelfristigen Ziele in Havelse?

Ich denke, dass wir zunächst einmal eine erfolgreiche Saison spielen wollen und von Spiel zu Spiel an die gezeigten Leistungen anknüpfen wollen. Die momentane Erfolgsbilanz ist kein Selbstläufer und keine Selbstverständlichkeit für den TSV Havelse. Das weiß jeder, der sich in der Region und in der Fußballbranche auskennt. Wir müssen hart für weitere Siege arbeiten und haben die große Motivation und Leidenschaft, das Maximum an Erfolg rauszukitzeln. Der TSV Havelse ist zudem immer ein Ausbildungsverein für junge Spieler mit Perspektive. Und ich bin ein junger, ehrgeiziger Trainer, der Talente persönlich, sozial und sportlich entwickeln möchte. Bei allen meinen bisherigen Stationen, in Hameln, bei Arminia Hannover oder auch beim BSV Rehden, ist mir dies gelungen. Und das ist auch eine klare Ambition beim TSV Havelse.

Er gibt die Richtung vor. Trainer Alexander Kiene. Foto: privat

Planst du, den Fußball-Lehrer zu machen, oder ist das aktuelle kein Thema?

Ja, das habe ich fest vor. Das Thema ist sehr aktuell. Ich habe das Ziel, perspektivisch als Trainer hauptamtlich und voll professionell zu arbeiten. Ich möchte weiter und höher kommen. Dafür ist der Fußball-Lehrer unabdingbar und die Voraussetzung. Für mein großes Ziel werde ich alles investieren.

Du spielst bei den Senioren von Hannover 96. Die U23 brauchte im Sommer einen neuen Trainer. Gab es da auch Kontakt zu dir?

Momentan habe ich aufgrund des Trainer -und Lehrerjobs leider wenig bis keine Zeit, regelmäßig selbst zu kicken, auch wenn es mir persönlich fehlt. Dennoch ist mein Spielerpass bei Hannover 96 und wird da auch weiterhin bleiben (lacht) Zu der zweiten Frage: Natürlich wäre ein Engagement bei Hannover 96 grundsätzlich in Frage gekommen. Ich bin Hannoveraner und identifiziere mich mit der Stadt und dem Verein. Hannover 96 hat sich jedoch für einen anderen Weg entschieden.

Wer wird dieses Jahr Meister und wo landet der TSV?

Von den Möglichkeiten und vom Kader muss der VfL Wolfsburg Meister werden. Sie haben von allen Teams die besten Voraussetzugen, um den Titel zu holen. Dennoch schätze ich insbesondere den ETSV Weiche Flensburg als stärksten Konkurrenten ein. Sie spielen einen einfachen, schnörkellosen, erfolgsorientierten Fußball und verfügen über viel Erfahrung in ihrem Kader. Wir als TSV Havelse wollen uns weiter in der oberen Tabellenhälfte der Liga etablieren und uns mannschaftlich wie individuell entwickeln.


Wer Fußball in familiärer Atmosphäre mit leckerer Wurst und kühlen Getränken mag, dem sei ein Besuch beim TSV Havelse ans Herz gelegt. Das Wilhelm-Langrehr-Stadion an der Hannoverschen Str. 90-92, 30823 Garbsen, fasst 3.500 Zuschauer.


Eintrittspreise:
Sitzplatz„atlas BKK ahlmann Tribüne“ überdacht:
13 € (VIP-Raum-Zugang: 30 €)

Stehplatz überdacht „Hannover Airport Tribüne“:
9 € (ermäßigt 7 €)

Stehplatz unüberdacht
„Bäckerei Langrehr Tribüne“:
7 € (ermäßigt 5 €)

Gästeblock unüberdacht:
7 € (ermäßigt 5 €)

Gastronomisches Angebot:
Bratwurst 2,50 €
Schinkengriller 3 €
Krakauer 3 €
Suflaki-Spieß 2,50 €
Hausgemachter Nudelsalat 1,50 €
Bier (0,4 l) 2,50 €
Softdrinks (0,4 l) 2,50 €
Wasser (0,4 l) 2 €
sowie viele weitere Köstlichkeiten (Schnitzel-, Frikadellen- und Fischbrötchen, Pizza und Bunte Tüten) am Verkaufsstand der Arena Lounge neben der atlas-BKK-ahlmann-Tribüne


Und wer sogar noch näher dran sein will, dem sei verraten, dass der TSV Havelse derzeit Verstärkungen sucht:

Grafik TSV Havelse

 

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