96 mit Verlust der Spielkontrolle, bei Bochum läuft der Ball – Eine Analyse


Hannover – Herzlich Willkommen zur 96. Minute – Die Spielanalyse von und mit Tim BlockMontagabend, 20:15 Uhr und das Flutlicht taucht die HDI-Arena in ein charakterstarkes Licht. Früher sagte mein Vater immer zu mir, das eben diese Umstände für die Spiele der besonderen Art sorgen. Das mit dem Besonderen stimmt soweit. Besonders schwach in vielen Belangen. Technisch, Taktisch und Mental lässt Hannover 96 im Spiel gegen den VfL Bochum einiges vermissen. Meine Kurzanlayse zum Spiel.

Das ging nochmal gut. 96 drohte gegen den VfL Bochum zu straucheln, fiel aber nicht. Foto: Joachim Sielski/Bongarts/Getty Images.

Frühes Pressing von 96 – gute Lösungen des VfL

In den ersten Minuten war stark erkennbar, dass Hannover 96 gewillt ist den Schwung aus dem Pokalspiel gegen Frankfurt mitzunehmen und Bochum früh zu attackieren. Der Versuch des Keilpressings ging hierbei nicht wirklich auf. Unterlassene Hilfeleistung in den jeweiligen Zonen führten dazu, dass Bochum sich gut aus dem dosierten Druck befreien und das Spiel in die freien Räume verlagern konnte. Durch das wechselnde Abkippen der Sechser (Bochum) und das inkonsequente Nachschieben der 96er kam Bochum immer besser ins Spiel.

Taktisches Grundkonzept

Nach den Anfänglichen Schwierigkeiten der Gäste, fand die Mannschaft von Gertjan Verbeek einen Weg um sich ins Spiel zu kombinieren. Durch die offensive Umformatierung der „Roten“  ( von 4-4-2 auf 4-2-4) führte es in den jeweiligen Halbräumen des zweiten Drittels zu Räumen, die kein Außenverteidiger der Welt (außer Philipp Lahm, der ist von einem anderen Stern) gegen ein 4-5-1 bzw. 4-2-3-1 stopfen kann. Zudem ist Oliver Sorg auch nicht der aller schnellste Außenverteidiger. Aber darum geht es ja auch eigentlich überhaupt nicht.

Sarenren Bazee defensivschwach

Es geht sicherlich schon um Geschwindigkeit und Tempo, aber im Wesentlichen muss man die Außenverteidiger in das Spiel mit einbauen und das wurde insbesondere über rechts komplett unterlassen. Aktuell gibt der Flügelflitzer Noah Joel Sarenren Bazee nicht viel her. Einen Startelfeinsatz rechtfertigt er aktuell in keinster Weise. Die Probleme die durch sein Spiel entstehen sind so offensichtlich, dass das Meckern über die Leistungen von Oliver Sorg fast schon an Ironie grenzt. Kurz vor dem Tor für die Bochumer durch Wurtz entsteht eine exemplarische Situation für Hannovers spielerisches Problem.

Eigener Freistoß und Gegenstoß

Durch ein Foul an Martin Harnik bekam 96 einen Freistoß. Dieser wurde kurz auf Felix Klaus ausgeführt. Klaus legte wieder ab auf Sane und der hatte nun vier Optionen das Spiel aufzubauen. Zunächst links raus auf Edgar Prib, der dann weiter auf den aufrückenden Felix Klaus hätte spielen können. Außerdem zurück zum Keeper, um das Spiel dosiert zu verlagern. Des Weiteren noch horizontal auf Manuel Schmiedebach, oder zu guter Letzt das Leder blind nach vorne zu schlagen. Sane entschied sich für Letzteres. Der Ball segelte auf Bazee zu und der machte das gar nicht mal so schlecht. Problem hierbei nur, dass durch die Variante nur zwei Spieler ins den Sechzehner rückten und eine Unterzahlsituation entstand.

Drei Stationen und Stendel-Plan ist ausgehebelt

Dass Bazee den Ball dann in die Mitte spielte, war folgerichtig. Bochum kam durch die entstehende Überzahlsituation in Ballbesitz. Sofort spielte der Gast den Ball links raus und alle Bochumer konzentrierten sich auf das Umschalten. Ein langer Ball auf Peniel Mlapa, der den Ball gut behaupten konnte, das Spiel auf die rechte Seite verlagerte und den nachrückende Wurtz mit einem Zuckerpass in Szene gesetzt werden konnte.

Leichte Verbesserung nach dem 0:1

In den kommenden Minuten bis zum Halbzeitpfiff verbesserte sich 96 und kam dann durch ein tolle Kombination und gute Einzelleistung von Bazee zum Ausgleich durch Martin Harnik. Auch nach der Halbzeitpause wurde Hannover 96 immer bestimmter in den eignen Offensivoptionen. Ein wenig mehr Spielfluss war auch erkennbar wodurch die Elf von Daniel Stendel sich auch mehr und mehr Chancen herausspielte. Schlussendlich ist es so, das die Chancenausbeute auch nicht das ist, was sie eigentlich sein sollte.

Hektik als schlechter Ratgeber

Wie eigentlich nach jedem Spiel schaue ich mir die Begegnung als Aufzeichnung nochmals an. Dadurch kann ich mich fernab der emotionalen Beschallung zu 100 Prozent auf das Geschehen auf dem Rasen konzentrieren. Und jedes Mal fällt mir auf, dass unser Spiel viel zu hektisch ist und unser System mit zwei Spitzen nicht unbedingt schlecht sein muss. Allerdings ist die Ausrichtung des Trainers und die damit verbundene Umsetzung einfach nicht wirklich stimmig. Als Fußballlehrer ist es ja so: Sobald ich während des Spiels erkenne, dass sich wiederholt Fehler einreihen, mache ich eine Fehleranalyse und versuche Lösungen zu finden.

Unterstützung für die Außenverteidiger

Beispielsweise wäre es eine Lösung unsere Außenverteidiger zu stabilisieren, indem man ihnen ein wenig der ihnen zugeteilten Defensiv -, oder Offensivaufgaben abnimmt. Man könnte mit 5er-Kette spielen und einen weiteren Defensivspieler (Marvin Bakalorz) in die Kette ziehen. Das gibt den beiden Außenverteidigern die Möglichkeit, sich mehr auf das Umschalten zu beschränken. Im Mittelfeld könnte man drei spielstarke Zentrumsspieler aufstellen. Sebastian Maier würde einen Platz im Kader finden und auch Iver Fossum als Kombinationsoptionist kommt zu mehr Spielzeit. Da Martin Harnik die Hängende Spitze ( falsche 9) neben Kenan Karaman mit am besten bekleiden kann, kommt man aktuell an dieser Personalie nicht vorbei. Im Sturmzentrum ist es schon wichtig, gewissermaßen Robustheit und Kopfballstärke ins Spiel einzubinden. Hierfür ist Niklas Füllkrug nicht ungeeignet. Aber auch Artur Sobiech bietet sich als Alternative an.

Mein Taktik-Tipp:

Ob 5-3-2, 3-4-3, oder 4-1-4-1 ist völlig egal. Es muss Flexibilität her und zwar dringend.

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Ein Gedanke zu “96 mit Verlust der Spielkontrolle, bei Bochum läuft der Ball – Eine Analyse

  • Klaus Meyer

    Wer noch Immer die Leistung der Mannschaft ganz Okay findet, sollte sich das Spiel nochmal komplett anschauen! Außer einer guten kämpferischen Leistung, die selbstverständlich sein sollte bei den Ansprüchen ( Aufstieg ) und den glücklichen 3 Punkten, wüßte ich nicht was nur halbwegs in diesem hecktischen , unkontrollierten Auftritt positiv zu sehen wäre. Für mich ist das Problem ein nicht lernfähiger D.Stendel. Wie kann man sich nach Spielschluß hinstellen und mit diesem Auftritt ganz zufrieden sein. Herr Andermatt ,“ Sehen Sie das nicht“?