Ohne Standards scheitert 96 an der Alten Försterei – Spielerisch bleibt vieles Stückwerk


Hannover – Hannover 96 hat die Länderspiel-Pause offenbar nicht gutgetan. Mit 1:2 verloren die „Roten“ bei Union Berlin. Dabei gab es nicht nur erstmals seit über mehr als drei Spielen ein Gegentor, sondern auch eine bittere Erkenntnis – andere Teams haben auch gute Auswechselbänke.

Es war zum Haareraufen. Seine Maßnahmen griffen gegen Union nicht: 96-Trainer Daniel Stendel. Foto: Imago/nordphoto/Engler

Es war zum Haareraufen. Seine Maßnahmen griffen gegen Union nicht: 96-Trainer Daniel Stendel. Foto: Imago/nordphoto/Engler

Sane nur auf der Bank

Vor dem Spiel war die große Frage: Spielt Salif Sané, oder sitzt er nur auf der Bank. Daniel Stendel entschied sich für die zweite Variante und begann mit der gleichen Mannschaft, die zuvor gegen den FC St. Pauli mit 2:0 gewinnen konnte. Credo: Gut, wenn man von der Bank aus noch Qualität nachlegen kann mit Sané, Prib, Maier und dem Neu-Profi Huth.

Umkämpftes Spitzenspiel

Das Spiel begann, so wie man sich ein Spitzenspiel in der zweiten Liga vorstellt: Sehr viele Zweikämpfe und sehr viele Unterbrechungen, weil sowohl Hannover 96, als auch Gastgeber Union Berlin in der Defensive sehr gut standen und wenig zuließen. Das führte zwangsläufig auch dazu, dass sich nur wenige Strafraumszenen ergaben. In Durchgang Eins konnte Hannover 96 gar keinen Torschuss auf das gegnerische Gehäuse abgeben.

Pyro in Drangphase – Berlin eiskalt

Kurz nachdem die „Roten“ in der zweiten Halbzeit den ersten gefährlichen Torschuss durch Marvin Bakalorz abgegeben hatten, machte dann der Gästeblock auf sich aufmerksam. Ein dichter Pyrotechnik-Nebel sorgte für eine rund fünfminütige Unterbrechung der Partie. Anschließend hatte Union Berlin offenbar Feuer gefangen und Trainer Jens Keller wechselte offensiv – und brachte mit Collin Quaner den besten Torschützen der Berliner. Keine zwei Minuten später traf er (75.) nachdem ihn gleich fünf Hannoveraner im Strafraum nicht aufhalten konnten. Vier Minuten später machte Philipp Hosiner (79.) dann nach Vorlage von Quaner alles klar und stellte auf 2:0. Felix Klaus konnte in der achtminütigen Nachspielzeit nur auf 1:2 verkürzen (96.)  und damit zumindest den dritten Platz in der Tabelle zurückerobern.

Was nicht funktionierte

Bisher konnte sich Hannover 96 eigentlich immer auf die Kopfballstärke und die starke Präsenz nach Standards verlassen. Beides fehlte gegen Union Berlin aber fast vollständig, sodass zwei wichtige Elemente im Spiel der „Roten“ quasi gar nicht griffen. In der Defensive führte das zudem dazu, dass Union Berlin immer wieder nach eigenen Ecken für Gefahrenmomente sorgen konnte. Spielerisch fiel der Stendel-Elf, wie auch schon in den Spielen zuvor, nur wenig ein um als Sieger vom Platz zu gehen.

Was ganz gut war

Erfreulich aus 96-Sicht, sofern man so etwas nach einer Niederlage sagen kann, war, dass man die sehr gute Offensive von Union Berlin eigentlich über die 90 Minuten gut im Griff hatte und in der Defensive bis auf wenige Ausnahmen, die gegen ein gutes Team mit einem guten Trainer aber immer einmal passieren können, nichts anbrannte. Offensiv wusste wieder einmal vor allem Flügelflitzer Felix Klaus zu überzeugen, der auf seiner rechten Seite immer wieder für Vorstöße sorgte.

Auswechselungen – die Ironie des Spiels

Die 96-Bank konnte an der alten Förseterei nicht den Unterschied ausmachen. Daniel Stendel überraschte – wie schon oft – und wechselte erst in Minute 75. Doch nicht etwa Salif Sane oder Sebastian Maier sollten für neuen Schwung sorgen. Nein, der 42-Jährige brachte Mike-Steven Bähre. Ein Schachzug, der hätte gelingen können, es an diesem Tag aber nicht tat.

Fehlende Offensivkraft

Daher die Erkenntnis: Wenn Martin Harnik, Niclas Füllkrug, Noah Joel Sarenren Bazee und Babacar Gueye gleichzeitig ausfallen, kann selbst Hannover 96 keine überragende individuelle Offensivqualität mehr von der Bank bringen. Wenn dann der Gegner, so wie heute Union Berlin, aber diese Klasse in der Hinterhand hat und mit Collin Quaner, im Laufe des Spiels bringt und dieser Joker dann entscheidend sticht, kann der Spieß ganz leicht umgedreht werden.

Wie es jetzt weitergeht

Die kommenden Spiele haben es in sich. Nürnberg, Würzburg und Braunschweig heißen die nächsten Gegner. Allesamt Kaliber, gegen die man deutlich mehr Offensivgeist gut gebrauchen kann, die aber nicht unschlagbar sind. Dennoch: Die Bäume wachsen für Hannover 96 in dieser Liga nicht automatisch bis zum Himmel – das erwartet aber auch niemand.

Zahlen, Daten und Fakten zum Spiel

1.FC Union Berlin: Busk – Trimmel, Leistner, Puncec, Parensen (61. C. Lenz) – Fürstner, F. Kroos, Kreilach, Skrzybski – Redondo (74. Quaner), Hosiner (90. Hosiner).

Hannover 96: Tschauner – Sorg, Anton, Strandberg, Albornoz – Bakalorz, Schmiedebach, Klaus, Karaman, Fossum – A. Sobiech

Tore: 1:0 Quaner (75.), 2:0 Hosiner (79.), 2:1 Klaus (90. + 6)

Gelbe Karten: Kreilach, Trimmel, Parensen, Fürstner/ Anton, Karaman, Klaus

Schiedsrichter: Robert Hartmann

Zuschauer: 22.012 (ausverkauft)

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Ein Gedanke zu “Ohne Standards scheitert 96 an der Alten Försterei – Spielerisch bleibt vieles Stückwerk

  • Steinwascher

    Sicher keine 1. Liga reife Leistung. Wenigstens 30 Minuten in der 1. Halbzeit gab es Hundefußball“ – hohe Kopfbälle wurden planlos noch vorne gespielt. Auch sonst sehr viel planloses. Sobiech und Karaman zeigen zwar teilweise Willen, haben allerdings große technische Mängel und Fossum ist Meister darin, Chancen zu vereiteln. Ich hoffe nur, dass unsere dauerverletzten Youngster bald zurückkommen, damit wieder etwas Schwung ins Spiel kommt. Man kann ja mal verlieren, wenn man Pech hat. Aber mit dieser Spielweise dürfte der Aufstieg nur mit sehr viel Glück gelingen. In der 1. Liga dürfte das sicher nicht reichen.