Jens Keller? Das hat viele überrascht



Hannover – Am Sonntag kommt es in der 2. Bundesliga zum Topspiel zwischen Union Berlin und Hannover 96. Der FC Union liegt derzeit auf dem sechsten Platz und damit drei Punkte hinter dem Zweiten aus Hannover. Bei einem Sieg schließt die Elf von Trainer Jens Keller nach Punkten auf. Für die „Roten“ ist damit Vorsicht geboten. Auch deswegen, weil die Hausherrren seit beinahe einem Jahr kein Heimspiel mehr verloren haben. Stephanie Baczyk beschäftigt sich beruflich mit Union Berlin und stellt im Gespräch mit TheWalkingRed den kommenden 96-Gegner vor.

BERLIN, GERMANY - SEPTEMBER 26: Head coach Jens Keller of Berlin gestures during the Second Bundesliga match between 1. FC Union Berlin and FC St. Pauli at Stadion An der Alten Foersterei on September 26, 2016 in Berlin, Germany. (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Seine Arbeit bei Union trägt langsam Früchte: Jens Keller. Foto:  Matthias Kern/Bongarts/Getty Images.

Stephanie Baczyk über…

…den Trainer Jens Keller:

„In Berlin hat keiner damit gerechnet, dass Jens Keller der neue Trainer beim 1. FC Union wird. Der Name ist im Vorfeld überhaupt nicht gefallen. Er selbst betont immer wieder, dass der Schritt in die zweite Liga kein Rückschritt sei – und er nach seinem Engagement auf Schalke zu einem Verein wollte, bei dem er in Ruhe arbeiten und etwas bewegen kann. Keller ist eher ein zurückhaltender Typ. Manchmal wirkt er grimmig, aber er ist ehrlich. Eines seiner Prinzipien: Alle sind gefordert, auch die Spieler auf der Bank. Zieht einer nicht mit, zieht Keller seine Konsequenzen. Innerhalb des Teams ist ihm ein respektvoller Umgang wichtig, nach außen stellt er sich vor seine Spieler. Was auffällt: Die Profis betonen immer wieder, wie gut das Mannschaftsklima sei.
Die letzte Saison war nicht einfach: Drei Trainer, dazu der Suizid von Sascha Lewandowski. Unter Interims-Coach Andre Hofschneider haben die Köpenicker einen klasse Schlussspurt in der Liga hingelegt. Unter Keller soll diese Erfolgsserie weiter bestehen. Für mich ist er übrigens auf Schalke viel zu schlecht weggekommen und ich bin gespannt, wie sich die Zusammenarbeit beim 1. FC Union entwickelt.“

…seine Art von Fußball:

„Seine Idee von Fußball: Den Gegner früh stören, durch Forechecking Fehler erzwingen und nach erfolgreicher Balleroberung schnell umschalten. Im besten Fall, wie im letzten Heimspiel gegen den FC St. Pauli über wenige Stationen zum Torerfolg kommen. Außerdem setzt er auf eine kompakte Defensive. In der vergangenen Saison hat der 1. FC Union 50 Gegentore kassiert – und stellte die fünftschlechteste Defensive der Liga. Unter Keller hat das Team zuletzt dreimal zu Null gespielt.“

…Unions Schlüsselspieler:

„… ist Felix Kroos. Von Werder Bremen im Winter ausgeliehen, wurde er zum Sommer hin fest verpflichtet. Keller hat Kroos zum Kapitän gemacht, weil er „ein Spieler sei, auf den die Mannschaft höre und der außerdem im defensiven Mittelfeld auf einer wichtigen Position spiele“. Interessant ist: Kroos hält sich selbst nicht für den lautesten Spieler, aber er ist selbstkritisch, hat seine eigenen Leistung zu Beginn der Saison in Frage gestellt. Er kann das Spiel lenken und ist DER Kreativspieler beim 1. FC Union. Er hat ein richtig gutes Auge, kann im richtigen Moment einen gefährlich Pass in die Tiefe spielen und ist reaktionsschnell.“

…Union als Sanatorium für Stürmer:

„Wenn man die letzten Jahre mal genauer betrachtet, fällt auf: Beim 1. FC Union schaffen sie es, ihre Stürmer durch Vertrauen zu pushen und das Beste aus ihnen rauszuholen. Vor zwei Jahren avancierte Sebastian Polter, der vom 1. FSV Mainz 05 ausgeliehen war, zum Publikumsliebling mit seinen 14 Saisontoren und wechselte nach Ablauf der Saison zu den Queens Park Rangers auf die Insel. Noch besser lief es letzte Saison mit Bobby Wood. Der wechselte für 800.000 Euro nach Köpenick – war beim alten Arbeitgeber 1860 München nicht wirklich erfolgreich gewesen und stellte mit 17 Saisontreffern mal eben einen Torrekord bei den Köpenickern auf. Das Ende ist bekannt: Im Sommer sicherte sich der HSV seine Dienste – für 3,5 Millionen Euro. Beim 1. FC Union läuft‘s für die Stürmer. Die bislang größte Überraschung in dieser Saison ist Collin Quaner. Weil sich Wood-Ersatz Philipp Hosiner gleich nach dem ersten Spiel verletzte, musste er ran und knipste in sechs Spielen fünfmal.“

…Unions Ziele:

„Unions Präsident Dirk Zingler hat das Ziel ausgegeben, unter die Top 20 in Deutschland zu kommen. Um es mit Jens Kellers Worten zu sagen: „Wir wollen auf Tuchfühlung zur Spitzengruppe bleiben“. Ich sage, sie haben das Zeug dazu. Entscheidend wird sein, wie schnell und gut die Mannschaft das System von Jens Keller verinnerlicht und umsetzt. Dass es funktionieren kann, hat der Saisonstart gezeigt. Die Mannschaft ist körperlich auf der Höhe und zu 100 Prozent fit. Natürlich hängt auch viel von der Entwicklung der anderen Mannschaften ab. Für Jens Keller sind der VfB Stuttgart und Hannover 96 die klaren Favoriten im Kampf um den Bundesligaaufstieg. Aber der 1. FC Union ist klar im oberen Tabellendrittel einzuordnen.“

…das Spiel am Sonntag:

„Ich bin gespannt, wie sich 96 am Sonntag präsentieren wird. Leicht wird es jedenfalls nicht für die Elf von Daniel Stendel. Der 1. FC Union ist stark vor heimischer Kulisse – bleiben sie in dem Spiel gegen Hannover ungeschlagen, wären sie ein Jahr ohne Niederlage an der alten Försterei. Dazu kommt: Den Großteil der Spiele haben sie gewonnen. Ich bin gespannt, wie die Roten reagieren, wenn sie in Bedrängnis geraten – Schnell spielen könnte ein adäquates Mittel sein. Die Berliner haben gut stehende Innenverteidiger, aber sie sind nicht die Schnellsten. Was Union besser macht als 96: Sie sind effizienter in der Offensive. Der Einsatz von Topstürmer Collin Quaner ist zwar noch fraglich – er musste die letzten beiden Spiele aufgrund einer Muskelverletzung passen – Aber Philipp Hosiner, Kenny Prince Redondo und Steven Skrzybski sind auch richtig gut drauf. Was die Chancenverwertung betrifft, könnte 96 noch eine Schippe drauflegen.“

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