120 Jahre „Alte Liebe“


Postkarte von 1906

Postkarte von 1906

Alte Liebe rostet nicht

 

Am 12. April ist es soweit: Der Hannoversche Sport Verein von 1896 e.V. wird 120 Jahre alt. Eine große Feier wird es angesichts der sportlichen Situation nicht geben. „Sicher werden wir in fünf Jahren zum 125. Geburtstag Gelegenheit zu umfangreicheren Aktivitäten finden“, ist Präsident Martin Kind überzeugt.

TheWalkingred wagt eine kleine Zeitreise

Anfänge 

Gegründet wurde der Verein am 12. April 1896 als Hannoverscher Fussball Club von 1896. In den ersten Jahren wurde Rugby Fußball gespielt. 1901 wurde aus dem Rugby- ein Fußballverein. 1913 erfolgte durch den Zusammenschluss mit dem BV Hannover 1898 der Hannoversche Sportverein von 1896. Diesen Namen trägt er bis heute. Die Heimspiele wurden bis 1959 auf der Radrennbahn am Pferdeturm ausgetragen. Das unweit gelegene Eilenriedestadion galt immer wieder als als Ausweichsspielstätte für die Heimspiele des Vereins. Daraus ergibt sich der Standort des ursprünglichen Clubhauses in der Clausewitzstr. 2. Die erste Mannschaft von 96 trägt ihre Spiele seit 1959 in dem zwischen 1952 und 1954 teilweise aus Kriegstrümmerschutt errichteten Niedersachsenstadion aus.

Große Erfolge

Postkarte von 1938

Postkarte von 1938

Den ersten großen Erfolg feierte Hannover mit dem Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft 1938. Im Finale konnte der als übermächtig geltende Gegner FC Schalke 04 geschlagen werden. Das erste Spiel am 26. Juni 1938 endete vor 92.895 Zuschauern  3:3. Ein Wiederholungsspiel sollte die Entscheidung bringen. Die Austragung fand eine Woche später vor 94.812 ebenfalls in Berlin statt. Das Ergebnis nach 90 Minuten lautete ebenfalls 3:3. Hannover 96 konnte sich durch einen Treffer in der Verlängerung mit 4:3 durchsetzen.

Postkarte von 1954

Postkarte von 1954

Nach Ende des zweiten Krieges war 96 wieder in der höchsten Spielklasse vertreten (Oberliga). In der Saison 1953/1954 gelang am 23. Mai 1954 im Finale von Hamburg eine erneute Sensation. Hannover war mit einer Elf der Namenlosen bis ins Finale marschiert. Gegner in Hamburg war die mit Nationalspielern und späteren Weltmeister gespickte Elf des 1. FC Kaiserslautern. Die ersten 45 Minuten verliefen mit 1:1 Toren ausgeglichen. Nach der Pause drehten die 96er auf. am Ende hieß es 5:1 für den klaren Außenseiter.

Bundesliga 

Zur Gründung der Bundesliga 1963 fehlte der zweifache Meister. Ihm wurde ein Verein aus der östlichen Nachbarschaft vorgezogen. 96 hatte die direkte sportliche Qualifikation über die Oberliga Nord verpasst. Am grünen Tisch unterlag man in einer strittigen Entscheidung auf Basis von Zwölfjahreswertung (in der 96 vorne lag) und der aktuellen wirtschaftlichen Situation der anderen Mannschaft. Eine nicht enden wollende Rivalität der Anhängerschaft beider Vereine war spätestens in diesem Moment geboren. Hannover 96 gelang ein Jahr später der sofortige Aufstieg. Bis 1974 konnte man den Platz im Oberhaus des deutschen Fußballs verteidigen. Danach folgten einige Jahre zwischen Erster und Zweiter Liga. 1988/89 wurde die zunächst letzte Saison für Leinestädter in der Bundesliga.

Zweite Liga

Es war wieder ein 23. Mai. Der 23. Mai 1992. Zweitligist Hannover 96 stand im DFB-Pokalfinale von Berlin. Auf dem Weg dorthin schalteten die Niedersachsen bereits zahlreiche Bundesligisten Bochum, Vizemeister des Jahres BVB, KSC) aus. Highlight war sicher der Sieg im Halbfinale gegen den Titelverteidiger und späteren Europapokalsieger der Pokalsieger der 1992 SV Werder Bremen. 6:5 i.E. lautete das Ergebnis. Den letzten Elfmeter verwandelte Torwart Jörg Sievers selbst und hielt anschließend den Schuss von Marco Bode. Im Finale kam es zum Duell mit Borussia Mönchengladbach. 76.200 Zuschauer kamen in das Berliner Olympiastadion. Nach 120 Minuten war kein Tor gefallen. Das Elfmeterschießen musste entscheiden. Torwart Jörg Sievers halt die Schüsse von Karlheinz Pflipsen und Holger Fach. Oliver Freund verschoss gegen Uwe Kamps. Den entscheidenden Strafstoß für 96 verwandelte Michael Schönberg-Christensen („Wir singen Micha, Micha, Michael Schönberg, jeder kennt ihn – den Held von Berlin“). Hannover 96 war und ist bis heute der einzige Zweitligist der den DFB Pokal gewinnen konnte.

Die Pokalsieger 1992 präsentieren den Pokal.

Die Pokalsieger 1992 präsentieren den Pokal.

 

Chaos und Absturz zum 100. Geburtstag

Auch in den Folgejahren konnte der Aufstieg in die Bundesliga nicht realisiert werden. Im Gegenteil. Immer wieder wechselnde Trainer konnten die Vorgaben von wechselnden Präsidenten nicht umsetzen. Mitgliederversammlungen wurden zu Chaosveranstaltungen. So kam es wie es kommen musste:

Im Jahr des 100-Jährigen Bestehens musste sich der stolze Traditionsverein aus dem bezahlten Fußball verabschieden und den Gang in die drittklassige Regionalliga antreten.

Wie Phönix aus der Asche

Reinhold Fanz gelang es aus jungen Spielern eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Fabian Ernst, Otto Addo und Gerald Asamoah mischten die Dritte Liga auf. Im ersten Jahr gelang die Meisterschaft mit fünf Punkten Vorsprung vor dem großen Rivalen. Es folgte ein Aufstiegsspiel gegen den Meister der Regionalliga Nordost. Das Hinspiel in Hannover endete torlos. In Cottbus verlor 96 mit 3:1. Unrühmlicher Höhepunkt war der Ausfall eines Teils der Flutlichtanlage beim Stand von 1:1. Das Spiel wurde für zwölf Minuten unterbrochen. Nach Wiederanpfiff konnte Detlef Irrgang mit einem Doppelpack (72., 87.) das Spiel entscheiden. 96 stand mit leeren Händen da.

Otto Addo und Gerald Asamoah nach den Spielen eggen TeBe Berlin

Otto Addo und Gerald Asamoah nach den Spielen gegen TeBe Berlin

In der Folgesaison wurde Hannover erneut Meister. Es gab nur eine Niederlage (3:4 gegen Arminia Hannover) und die Meisterschaft wurde mit sieben Punkten Vorsprung gefeiert. TeBe Berlin hieß der Gegner in den Aufstiegsspielen. 96 musste zuerst auswärts antreten. Der ungeschlagene Nordost-Meister konnte sein Heimspiel mit 2:0 gewinnen. Im Rückspiel stand es nach 120 Minuten 2:0 für 96. Das Elfmeterschießen musste entscheiden. Berlin leistete sich drei Fehlschüsse und Hannover konnte das Spiel mit 3:1 n.E. für sich entscheiden.

Zweite Liga als Durchgangsstation

In der Führung des Vereins war durch Martin Kind seit 1997 Ruhe eingekehrt. Bis 2001 kam es allerdings wieder zu einigen Trainerwechsel (Fanz, Gerber, Ivankovic, Ehrmantraut). Alle spielten durchwachsene Spielzeiten. Im Juli 2001 übernahm Ralf Rangnick das Traineramt und schaffte gleich in seiner ersten Saison den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga.

Etablierung im Mittelfeld

Bis zum Jahr 2009 etablierte sich Hannover 96 im Mittelfeld der Bundesliga. Da es immer wieder Abstiegskampf an der Leine gab, wechselten erneut die Trainernamen. Aus Rangnick wurde Lienen. Aus Lienen wurde Neururer. Mit Dieter Hecking kehrte Kontinuität auf der Trainerbank ein.

Der schwärzeste Moment der Vereinsgeschichte

109 Partien betreute der Ex-96-Spieler das Team aus Hannover als Cheftrainer. Kurz nach Beginn der Saison 2009/2010 trat der Coach wegen Erfolglosigkeit zurück. Der damalige U-23 Trainer Andreas Bergmann übernahm die Elf und konnte sie stabilisieren. Doch es folgte der schwärzeste Moment der Vereinsgeschichte. Am Abend des 10. November 2009 nahm sich Nationaltorwart und Mannschaftskapitän Robert Enke das Leben. Das Team, der Verein, die ganze Stadt war traumatisiert. Am 19.01.2010 übernahm Mirko Slomka das Traineramt bei Hannover 96. Mirko Slomka verlor seine ersten sechs Spiele. Hannover 96 drohte abzusteigen. Mit einem außerordentlichen Kraftakt und über 10.000 eigenen Fans zum Endspiel in Bochum, konnte das Ruder in letzter Sekunde herumgerissen werden.

Reise durch Europa

Fanchoreo zur Europa League

Fanchoreo zur Europa League

Die nachfolgende Saison wurde zu einem großen Traum. Auch wenn die Trikots etwas gewöhnungsbedürftig anmuteten, war das darin gezeigte aller Ehren wert. Hannover 96 spielte erfrischenden, schnellen und erfolgreichen  Fußball. Zum Abschluss der Hinrunde und nach 34 Spieltagen belegte das Team von Mirko Slomka den vierten Tabellenplatz. Die Play-Offs zur Europa League wurden erreicht. Als Gegner wurde der schier übermächtige FC Sevilla zugelost. Das Hinspiel fand in Hannover statt. Es herrschte die wahrscheinlich beste Stimmung, die es jemals im Niedersachsenstadion gegeben hat.

96 gewann 2:1 und zog durch ein 1:1 im Rückspiel sensationell in die Gruppenphase der Europa League ein. Das Spiel mit 12.000 Fans in Kopenhagen wird allen Fans wohl in Erinnerung bleiben. Die Reise durch Europa endete erst im Viertelfinale gegen Atletico Madrid. In Madrid und in Hannover verlor man jeweils 1:2. Durch Platz sieben in der Liga konnte Hannover ein weiteres Jahr Europa League genießen. Endstation war im Sechzehntelfinale gegen Anschi Machatschkala.

Streit und sportlicher Absturz

Die Gegner in der Bundesliga hatten sich auf das Konterspiel der Hannoveraner eingestellt. Eine Weiterentwicklung und Änderung  des Spielstils gelang nicht. Durch den ausbleibenden Erfolg wurden die Probleme zwischen Trainer Slomka und Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke immer deutlicher. Am Ende verließ Schmadtke den Verein und wurde durch Dirk Dufner ersetzt. Dufner und Slomka gelang es nicht das Team schlagkräftiger aufzustellen. Statt zurück nach Europa ging der Blick in Richtung Abgrund. Am 27.12.2013 wurde Mirko Slomka entlassen. Auch seine Nachfolger Korkut und Frontzeck blieben erfolglos. Erst am 23. Mai 2015 konnte am letzten Spieltag der vergangenen Saison der Klassenerhalt gefeiert werden. 96 war nun endgültig zurück im Abstiegskampf. Die Saison 2015/2016 wird als sportlicher Albtraum in Erinnerung bleiben. Auch Thomas Schaaf – im Winter für Frontzeck gekommen, um zu retten was zu retten ist – konnte die Mannschaft nicht vor dem Absturz retten. Hannover 96 wird im August 2016 in eine Zweitligasaison starten.

Oberbürgermeister lädt ein

Die Landeshauptstadt Hannover würdigt das Jubiläum eines ihrer
traditionsreichsten Vereine mit einem Empfang im Rathaus.
Oberbürgermeister Stefan Schostok lädt dazu am Geburtstag den
Vorstand und VertreterInnen der Mitglieder von Hannover 96 zusammen mit anderen Gästen zu einer Feierstunde in der Ratsstube ein. „Wir möchten damit zeigen, wie sehr die Stadt diesen großartigen Verein mit allen seinen Sparten schätzt. Wir haben Verständnis dafür, dass 2016 nicht das richtige Jahr für ein großes Fest ist,“ unterstreicht Oberbürgermeister Stefan Schostok.

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